Die finnischen Kommunisten zeigen sich nicht bereit, die Folgerungen aus ihrer Wahlniederlage zu ziehen oder solche Folgerungen, soweit sie von anderen gezogen werden, anzuerkennen. Sie haben daher den Versuch des neuen Ministerpräsidenten Fagerholm, sie in eine Koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten einzubeziehen, zum Scheitern gebracht, nachdem er ihnen zwar nicht weniger als fünf Ministerposten, aber nicht das ihnen allein begehrenswerte Innenministerium angeboten hatte. Die Leitung dieses Ministeriums bedeutet die Herrschaft über die Polizei, ihre Zusammensetzung und ihren Einsatz und damit die Möglichkeit, im sowjetischen Sinne gegen jede nicht genehme Regierung zu putschen. Weil er dem nicht zustimmen konnte, mußte Fagerholm auf die erstrebte breite Regierungskoalition verzichten und sich mit der Bildung eines sozialdemokratischen Kabinetts begnügen.

Das erste, was dieses Kabinett erntete, war eine scharfe Kampfansage der Volksdemokraten. Das Kabinett Fagerholm befindet sich damit also durchaus in politischer Nachbarschaft mit dem italienischen Kabinett de Gasperi, dem von den Anhängern Togliattis ebenfalls schärfster Kampf angesagt worden, ist. Wie in allen kommunistisch inspirierten Manifesten ist auch der Wortschatz sehr ähnlich. Die besondere Lage Finnlands aber bedingt, daß die hinter den Worten stehenden Drohungen eine sehr viel größere Gefahr bedeuten, als sie für Italien besteht. Schließlich ist für Finnland das Gespenst sowjetischer Intervention durchaus viel, und so war es bedeutsam, daß Herta Kuusinen, die Vorsitzende der finnischen kommunistischen Partei, zwischen den Zeilen hierauf anspielte, indem sie erklärte, eine "derartige" – also ohne die Volksdemokraten zustandegekommene – Regierung sei nicht imstande, eine antifaschistische Innenpolitik und die Durchführung demokratischer Reformen zu gewährleisten, sie könne daher auch nicht die Einhaltung einer friedlichen und freundschaftlichen Politik gegenüber der Sowjetunion garantieren. Sehr viel wörtlicher läßt sich die Anspielung auf den Artikel 8 des finnischen Friedensvertrages nicht treiben, in dem es heißt, daß in Finnland alle Organisationen "faschistischen Charakters" aufzulösen seien und ebenso alle Organisationen, die "eine der Sowjetunion feindliche Propaganda betreiben" oder "sich zum Ziele "gesetzt haben, dem Volke seine demokratischen Rechte zu versagen".

Man sieht, die Voraussetzungen sollen bereits geschaffen werden, die eines Tages die Handhabe bieten könnten, einen Bruch des Friedensvertrages zu konstatieren. Dies ist es, was Herta Kuusinen offenbar andeuten will, damit kein Zweifel bleibt, wie schweres Geschütz die Kommunisten in Reserve haben. Derartige versteckte Drohungen liegen um so näher, als Herta Kuusinen sehr wohl weiß, daß die parlamentarischen Mittel sich angesichts der Mehrheitsverhältnisse im finnischen Reichstage heute als Druckmittel in Finnland nicht mehr eignen. H. A. v. Dz.