Hermann Stahl: Eine ganz alltägliche Stimme Novellen und Erzählungen. Merkur-Verlag, Düsseldorf.

Die Verwirrung unserer Zeit gibt den Dichtern neue Möglichkeiten der Darstellung von Schicksalen und Abenteuern. Sie hat Schriftsteller hervorgebracht, die, wie Hermann Stahl, über den Expressionismus hinaus in – seelische Landschaften vorstoßen, die mit den Mitteln einfachen Aufzeichnens nicht einzufangen sind. Der Autor der "Heimkehr des Odysseus" ist in den Novellen und Erzählungen weit in die Kompliziertheit des heutigen Lebens vorgedrungen. Über

Konvention und Schema hinweg ist er bemüht, jene unmeßbaren Tiefen der Seele aufzuspüren, in denen die Goldadern des Echten liegen. Der Mensch, dem sie sich offenbaren, muß ein Dichter sein. Seinem spürenden Geist kann Menschliches kaum verborgen bleiben. In den Bereichen, zu denen Hermann Stahl vordringt, ist der Verzicht auf äußerlich, logische Darstellung unumgänglich. Sein Bemühen folgt darum mehr Reflexionen als den eigentlichen Vorgängen. Seine Sprache ist dabei von zupackender Einfachheit und Kühnheit. Indem er den alltäglichen Menschen darstellt-, folgt er ihm weit in die Schichten des Unterbewußten, schildert er forschend Schicksale und Existenz, verdichtet er Ängste und Leiden, Wünsche und Hoffnungen. No.