Die durch das Kontrollratsgesetz Nr. 9 beschlagnahmte I. G.-Farbenindustrie sollte durch eine viergliedrige Kommission der Besatzungsmächte nach einheitlichen Gesichtspunkten zerlegt werden. Die Praxis ist wie auf vielen anderen Gebieten ganz anders verlaufen. In der russischen Zone wurden viele I. G.-Betriebe in Sowjet-A. G. umgewandelt oder den Länderregierungen übergeben, andere demontiert. Im Westen arbeiten die Werke, aus dem Konzern abgelöst, aber noch in Gruppen zusammengefaßt, unter treuhänderischer Verwaltung, einige mußten demontiert werden. Die britische und amerikanische Besatzungsbehörde wollen nun in ihren Zonen den bisherigen, für alle Beteiligten unbefridigenden Schwebezustand beenden oder wenigstens die ersten Schritte dazu einleiten.

Die beiden I. G.-Kontrolloffiziere und ihre Stellvertreter wollen eine Zweigstelle der Zweimächte-Dekartellisierungs-Kommission bilden und ihre Tätigkeit auf die Überwachung der von deutschen Stellen durchzuführenden Entflechtungsmaßnahmen beschränken. Ein Gremium von sechs bis acht Deutschen – von der Verwaltung für Wirtschaft ernannt und vom Zweimächte-Kontrollamt zu bestätigen – hat die I. G.-Betriebe zu verwalten, die organische Neuordnung vorzunehmen und die Aufgliederung fortzusetzen, wo sie "wirtschaftlich und logisch" möglich ist. Jeder ausgegliederte, selbständige Produktionsbetrieb erhält einen deutschen Treuhänder, der auch die Aufgabe hat, für seinen Betrieb eine neue Gesellschaft zu bilden.

Zu den Behauptungen von kommunistischer Seite, der vorgeschlagene Weg verfolge den Zweck, die einzelnen I. G.-Betriebe amerikanischen Inte-essen in die Hände zu spielen, hat der Leiter der Wirtschaftsabteilung der US-Militärregierung darauf hingewiesen, daß die Betriebe solange in den Händen der deutschen Treuhänder bleibet, bis der deutsche Kapitalmarkt sich erholt hale und zur Aufnahme der dann angebotenen Geschäftsanteile in der Lage sei. Diese Zeitspanne kann durch die richtige Konstruktion der neuen Gesellschaften abgekürzt! werden, denn es muß als selbstverständlich gelten, daß den alten I. G-Aktionären ein Umtausch ihrer Aktien durch Bezugsrechte eingeräumt wird. Auch ist an der Forderung festzuhalten, daß deutsche und ausländische Aktionäre vollkommen paritätisch zu behandeln sind. Neben dem I. G.-Farben-Entflechtungsausschuß (färben dispersal panel fardip) hat die VfW eine zweite Stelle zur Wahrnehmung der Gläubiger- und Aktionärs-Interessen zu bilden.

In den drei westlichen Zonen muß eine für alle Teile erträgliche, einheitliche Lösung des I. G-Farbenproblems herbeigeführt werden. Die vor kurzem bekanntgewordene Verpachtung des I. G.-Farbenwerkes Rheinfelden an eine überwiegend in französischem Besitz befindliche Betriebsgesellschaft und deren Modalitäten sind vom deutschen Standpunkt abzulehnen, weil hier ein Weg bestritten wird, der mit dem international anerkannten Grundsatz des Privateigentums im Widerspruch steht. J. Sch.