Die geplante Senkung der Tabaksteuer soll das Optimum aus den Tabakeinfuhren herausholen – für den Raucher, aber auch für das Finanzamt. In Fachkreisen wird jedoch, wie die folgende Zuschrift zeigt, befürchtet daß die Raucherfreiheit durch, die Beibehaltung der Vorkriegskontingente unnötig eingeengt werden könnte.

Die Raucherkarte soll demnächst abgeschafft werden. Damit fällt wieder eines der berühmten "2. Papiere", die der Konsument bisher haben mußte, um in den Besitz der begehrten Ware zu kommen. Man könnte sich über diese Absicht noch mehr freuen, wenn die Sache nicht einen erheblichen Haken hätte. Nur die Bewirtschaftung der Tabakwaren soll fortfallen, die der Rohtabake aber erhalten bleiben.’ Wenn jedoch die Fabriken auch in Zukunft Rohtabak im gleichen Verhältnis wie bisher zugewiesen bekommen, bleibt ihr Interesse an Lieferung und Kundendienst gering;’ denn der Bezug der begehrten Rohware ist in keiner Weise an die Nachfrage des Rauchers gebunden. Wenn z. B. mehr Zigaretten als Zigarren vom Raucher verlangt würden, so könnte diesem Wunsch nicht entsprochen werden; denn das Verhältnis Zigarette–Zigarre liegt durch die Rohtabaklieferungen ein für allemal fest. –

Bei wirklich freiem Wettbewerb würde jeder Fabrikant ein starkes Interesse an der Lieferung möglichst guter Qualitäten haben. Dieses Interesse fällt fort, solange ihm durch Rohtabaklieferung die Existenz gesichert ist. Sollte ein Fabrikant seine Ware nicht loswerden, weil etwa die insgesamt zur Verfügung stehenden Tabake vom Markt nicht aufgenommen werden, so entsteht erneute Hortung derjenigen Rohtabake, die nicht zur Verarbeitung kommen. Trotz der nach wie vor bestehenden allgemeinen Knappheit an Tabaken kann sich das groteske Bild ergeben, daß sich in bestimmten Sparten der Tabakindustrie unabsetzbare Rohtabake ansammeln. Die Rohtabakverteilung an die einzelnen Fabriken beruht auf der Produktion der Jahre 1936 bis 1938 und diese zehn Jahre alte Grundlage, längst durch die Zeitereignisse überholt, soll nun in die freie Wirtschaft hinübergerettet werden. Sie wird von ihren Anhängern damit begründet, daß bei freier Wirtschaft die Nachfrage bei den immer noch knappen Tabaken nicht befriedigt werden könnte und daß dem Fiskus ein bestimmtes Steueraufkommen unbedingt garantiert werden müßte. Bei freier Wirtschaft sei dies nicht gesichert, weil eine Verschiebung in der Relation zwischen Zigarre, Zigarette und Rauchtabak eintreten könnte, die ihrerseits wieder das Steueraufkommen berühre. Für beide Schwierigkeiten ist der Preis der unzweifelhaft bessere und wirksamere Regulator, Sollte die Nachfrage über Erwarten groß werden und auch durch eine nochmalige Erhöhung der bisherigen Lieferungen nicht befriedigt werden können, ist der Ausgleich über den Preis der bessere Weg. Der Fiskus würde sich schon wirksam einschalten.

Die eigentliche Begründung für die von der Mehrheit der Industrie vertretene Forderung nach Beibehaltung der Bewirtschaftung liegt in der Furcht vor der Freiheit. Man ist zu ungern bereit, die sichere Existenzgarantie der Kontingente aufzugeben, um sich dem unsicheren Spiel des freien Marktes anzuvertrauen. Ip.