Die Forderungen, welche, Moskau den westlichen Alliierten in der deutschen Frage zu stellen gedenkt, wurden in den Beschlüssen der Warschauer Konferenz aufgezählt. Unter ihnen befindet sich auch der Vorschlag, alle Besatzungstruppen sollten ein Jahr, nachdem der Friedensvertrag mit einer demokratischen deutschen Regierung unterzeichnet sei, Deutschland verlassen. Dies klingt zunächst sehr verlockend, ja Hoffnung erweckend, doch wird man bei Vorschlägen, die von russischer Seite kommen, gut tun, wachsam zu sein. Das timeo e Danaos et dona ferentes – ich fürchte, die Danaer, auch /wenn sie Geschenke bringen – ist hier sehr Angebracht, und darum ist es gut, rechtzeitig danach Ausschau zu halten, welche Gestalten denn eigentlich mit dem Trojanischen Pferd bei uns eingeschmuggelt werden sollen.

Einige Auskunft darüber gibt das Warschauer Kommuniqué, indem es harmlos und nebenbei verzeichnet, die neue deutsche Regierung solle aus demokratischen Parteien und "Organisationen" zusammengesetzt werden! Man kennt solche Organisationen von dem tschechoslowakischen Staatsstreich her, sie dürften Antifaschistenbund heißen, Freiwillige Bauernhilfe, Volksrat und Freie Deutsche Jugend oder wie dergleichen getarnte kommunistisch geleitete Verbände sich sonst noch nennen mögen. Dazu kommt – auch dies ist ganz deutlich – eine nach kommunistischem Glaubensbekenntnis zusammengesetzte Polizei der Ostzone, der Heeresbestände an schweren und leichten Waffen zurückgelassen werden könnten, genau so wie seinerzeit den Kommunisten in China. Dies alles aber kann das Trojanische Pferd nicht sein. Diese Methoden sind zu bekannt und auch nicht sicher und verläßlich genug. Da ist aber etwas anderes, etwas, von dem viel gesprochen, über das noch mehr geklagt worden ist, gegen das protestiert wurde und das von den Russen, der SED und der KPD .erbittert geleugnet wird, es ist eines der traurigsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte, im Politbüro ist es beschlössen worden: der Kinderraub in den Ostgebieten und der Sowjetzone, der Raub unmündiger Kinder, die zu fanatischen Kämpfern für die Sowjets erzogen werden.

Es liegt uns über diesen oft geleugneten Vorgang genaues Material vor. Die Zahl der entführten Kinder wird in Potsdam in der Zeppelinstraße 80/81, wo sich, das von General Sverow geleitete Büro der M. W. D., der früheren-NKWD befindet, mit 79 000 angegeben – die Aktion wurde Ende 1947 abgeschlossen. Darunter sind deutsche, polnische, italienische, französische und ukrainische Kinder. Die Mehrzahl ist deutsch, der genaue Prozentsatz jedoch ist noch nicht bekannt. Kinderraub ist, wie die Welt von Griechenland her weiß, eine politische Maßnahme der Kommunisten. Was man bisher jedoch nicht wußte, ist, wie genau und von langer Hand er vorbereitet wird,

Was Deutschland angeht, so begannen die russischen Planungen für die Kindesentführungen im Jahre 1943. Damals wurden zuerst russische Männer und Frauen, die geeignet schienen, in Lehrgängen zusammengefaßt und für diese Aufgabe gedrillt. Mit der Roten Armee zugleich rückten sie in Deutschland ein. Zunächst wären die angewandten Methoden verhältnismäßig primitiv, in Ostpreußen etwa wurden ganze Schulklassen abgeführt, in Schlesien die Waisen-Häuser einzelner Orte geleert. Dann verfeinerte man das System: man führte Gesundheits- und Intelligenzprüfungen durch. Das ging so vor sich, daß Vertreter "russischer Wohltätigkeitsorganisationen" die deutschen Fürsorge- und Wohlfahrtsstellen aufsuchten und dort Kinder und Jugendliche auswählten, die körperlich und geistig einen guten Eindruck machten. Diese Kinder im Alter von 8 bis 18 Jahren wurden nach Neubrandenburg geschickt; dort würden. sie Intelligenzprüfungen unterworfen und je nach dem Ergebnis in Klassen eingeteilt. Von Neu-Brandenburg, wurden sie mit Flugzeugen über Königsberg nach Leningrad abtransportiert und hier auf drei große Erziehungsanstalten in Leningrad, Moskau und Tula verteilt, die unter der Aufsicht der Komsomolzen stehen. Hier werden sie glänzend gehalten, die Internate sind modern, die Verpflegung ist gut, die ärztliche Betreuung sorgfältig. Im Unterricht werden sie "indoktriniert", dort lernen sie Marxismus, Leninismus und zuletzt Stalinismus. Es wäre übrigens Unrecht zu sagen, daß all diese Kinder aus den Ostgebieten und der Ostzone, wo es nach dem Kriege die meisten elternlosen Kinder gab, entführt worden sind. Ein geringer Prozentsatz dieser Kinder ist von kommunistischen, oder ehemals nazistischen Eltern freiwillig gegen eine Abfindung geliefert worden.

Ebenso wie das Material über diesen Menschenraub des Kremls jetzt bekannt ist, sind auch die Ziele, denen er dienen soll, nicht mehr verborgen. Wie die Türken noch 300 Jahre nach der Eroberung Konstantinopels christliche Kinder aus besetzten Ländern verschleppten und zu fanatischen Mohammedanern erzogen, um aus ihnen ihre besten Sturmtruppen, die Janitscharen, zu bilden, so hoffen die Sowjets, in den geraubten Kindern Stoßtrupps erziehen zu können, die fanatisch und todesmutig den kommunistischen Umsturz in Deutschland durchführen werden.

Es ist nötig, dieser Gefahr ins Auge zu sehen, Die Zahl derer, die die Sowjets auf diese Weise binnen zwei Jahren für den Bürgerkrieg in Deutschland zu gewinnen hoffen, wird im Potsdamer Büro der M. W. D. auf 30 000 geschätzt. Es ist kein Zweifel, daß wir gegen diesen Bürgerkrieg gewappnet sein müssen, –l