Ihr macht es euch zu leicht" – so etwa lautete der Tenor der alliierten Stellungnahme zu den deutschen Vorschlägen für die Errichtung der "Kreditanstalt für Wiederaufbau". So hatten sich übrigens auch die ERP-Vertreter geäußert, als die französische Regierung, vorschlug, daß die im Rahmen des Marshall-Planes anfallenden Franc-Beträge innerhalb Frankreichs als Subventionen für die Verbilligung von Kohle und Lebensmitteln verwandt würden. Die Richtlinie der Besatzungsmächte für die Finanzierung der Wiederaufbaubank lautet: Erschließt zunächst die deutschen Möglichkeiten, bevor ausländische Mittel eingesetzt werden.

Die Besatzungsmächte waren anscheinend ursprünglich auch geneigt, die beim Verkauf der eingeführten Lebensmittel, der Marshall- und der STEG-Güter anfallenden DM-Beträge für die Wiederaufbaubank zur Verfügung zu stellen, aber im Laufe des Juli machte sich ein immer stärkerer Widerstand bemerkbar. Die Opposition ging offensichtlich vor allem von der ERP-Organisation aus, die festen Zusagen auswich. Diese Widerstände der Besatzungsmächte überraschten um so mehr, weil das Projekt der Wiederaufbaubank auch auf angelsächsische Anregung zurückging; bezeichnenderweise war als Name für diese Bank zunächst die Bezeichnung. "Loan-Bank" zu hören. Vielleicht spielt eine Rolle, daß die Gelder auch für andere Zwecke in Frage kommen: so für die neue Verrechnung des Kohlenpreises, die Finanzierung der Luftbrücke Berlin und die öffentlichen Finanzen.

Wenn auch die DM-Beträge aus den ausländischen Importen bei der Aufzählung der Gelder der Wiederaufbaubank erst nach Inhaberschuldverschreibungen, Darlehen der Verwaltung der Doppelzone und Anleihen aus dem Ausland rangieren, so ist doch wohl anzunehmen, daß Beträge aus den ausländischen Importen bei dem nur geringen Anfall von Mitteln aus den anderen genannten Quellenzunächst noch eine erhebliche Bedeutung haben werden.

Die Wiederaufbaubank wird also stärker als ursprünglich angenommen auf deutsche Mittel zurückgreifen müssen. Da die in den Satzungen vorgesehene Ausgabe von Schuldverschreibungen zunächst kaum nennenswerte Ergebnisse erzielen wird, ist der Einsatz der Festkonten und auch der "Schattenquote" (zwischen 10 und 20 v. H.) vorgeschlagen worden. Diese Anregung hat bisher ein wenig günstiges Echo gefunden. Man meint, die direkte Freigabe sei einfach und besser: so würde wieder einmal kostspielig und unnötig gelenkt.

Auch wegen dieser Tendenz wird die Frage gestellt, warum überhaupt ein neues Institut gebildet werden müsse. In der vordersten Front dieser Kritiker steht Schlange-Schöningen, der auf das Geld der Wiederaufbaubank für die Landwirtschaft verzichten würde, wenn er über die wiederbelebte Rentenbank-Kreditanstalt neue Mittel erschließen kann. Mit ihm in einer Front stehen die Industriebank und die Deutsche Bau- und Bodenbank und weite Kreise des privaten Bankgewerbes und der Privatwirtschaft. Die Spezialinstitute befürchten vor allem, daß sie bei der Ausgabe von Obligationen durch die Wiederaufbaubank vom Markt verdrängt werden. Die Besatzungsmächte haben diesen Enwänden gegenüber viel Verständnis gezeigt. So ist vor allem von maßgeblichen englischen Kreditfachleuten darauf hingewiesen worden, daß für die Erschließung der Marshall-Gelder und anderer Mittel der bestehende Kreditapparat genige und es nicht einzusehen sei, warum private Kreditgeber durch ein neues Kreditinstitut beengt werden sollen.

Die Aufgabe der Wiederaufbaubank wird im Gesetzentwurf allgemein dahin umschrieben, daß sie über die Kreditinstitute des vereinigten Wirtschaftsgebietes alle Zweige der Wirtschaft mit mittel- und langfristigen Krediten zu versorgen hat, soweit die Kreditinstitute die erforderlichen Mittel nicht selbst aufbringen können. Das Kapital ist mit nur 1 Mill. DM vorgesehen; die Verbindlichkeiten sind auf 2 Milliarden begrenzt, können aber auf die doppelte Höhe gebracht werden. Organe der Anstalt sind der Verwaltungsrat und der von ihm bestellte Vorstand. Der Verwaltungen des vereinigten Wirtschaftsgebietes bestellt den Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Bank und seinen Vorsteher. Im Verwaltungsrat der Wiederaufbaubank sind je drei Vertreter der Länder und der Verwaltung der Doppelzone sowie fünf Vertreter der Wirtschaft vorgesehen, die im Einvernehmen mit dem Länderrat oder dem Zentralbankenrat zu be-– stellen sind. Hinzu kommt noch je ein Vertreter der Bank Deutscher Länder und der Gewerkschaften. Die öffentliche Hand dominiert also. – Als Leiter des Vorstandes wird weiterhin Abs, früher Deutsche Bank, genannt. W. G.