Wer anfängt zu bewirtschaften, verläßt die Marktwirtschaft, die auf freie Preisbildung reagiert, zugunsten einer Befehlswirtschaft mit Rationierung und Preisbindung. Und es ist nur folgerichtig, daß, einmal begonnen, Wirtschaftszweig auf Wirtschaftszweig in die Rationierung einbezogen werden muß. Wer die Bewirtschaftung aber abbaut, ist gezwungen, Zug um Zug alle Waren freizugeben; sonst setzen sich die Reibungsschwierigkeiten des Übergangs fest und werden zu strukturellen Schwierigkeiten. Das ist der wirtschaftlich-abstrakte Tatbestand. Dennoch ist man in der Praxis gezwungen, Kompromisse zu schließen; denn es gibt (nicht nur bei uns) auch bei knappem Geld weiterhin absolute Mangelware, die, soll nach dem Frankfurter Konzept das volkswirtschaftliche Optimum erreicht werden, zentral verteilt werden muß und die so knapp ist, daß bei freier Preisbildung unbillige soziale Härten auftreten würden. Wir sprechen, wie gesagt, von absoluter Mangelware, das heißt Gütern, die zur Deckung des Existenzminimums gebraucht werden, wie Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs, bei denen die Nachfrage-Elastizität in den letzten Jahren – aus den bekannten Gründen – verloren ging und deren Kennzeichen es ist, daß weiterhin für diese Güter ein schwarzer Markt, wenn auch mit stark gefallenen Preisen, besteht.

Erhards zunächst reichlich gewagt erscheinender Entscheid, die mehrere hundert Seiten lange Liste der bewirtschafteten Waren auf ein Minimum zurückzuschneiden, in denen nur die absolute Mangelware enthalten ist, war. richtig, wie sich nun zeigt: in der schnell fortschreitenden Überwindung jener tödlichen Stagnation seit Währungsreform und "Entbewirtschaftung". Und fragte man früher, was eigentlich nicht bewirtschaftet ist, so fragt man heute danach, was noch behördlicher Kontrolle unterliegt und wo noch "der Mangel organisiert ist".

Mit den Augen des "Endverbrauchers" – ein schreckliches behördendeutsches Wort – sieht dies so aus: Bei Textilien ist der Endverbraucher an Punkte gebunden, die über eine Punktabrechnungsstelle, als Barometer des Textilbedarfs, laufen; es ist kein Schwarzgeschäft, wenn die Punkte von Konsument zu Konsument gehandelt werden. Bei Abgabe von Waren vom Großhändler an den Endverteiler ist eine Abgabemeldung an die zuständigen Wirtschaftsämter abzugeben. Für Arbeitskleidung bestehen noch Sonderregelungen. – Analog ist die Bewirtschaftung im Bereich Leder für Schuhe und Treibriemen. Ferner bestehen hier verschiedene Qualitätsvorschriften.

Seife ist voll bewirtschaftet. Die Gründe hierzu liegen auf der Hand. Der Rohstoffimport ist zu gering und die synthetischen Rohstoffe der Ruhr dürfen nicht so produziert werden, wie man deutscherseits möchte.

Bei Glühbirnen teilt Frankfurt entsprechend den Produktionsmeldungen der Erzeuger den Ländern Kontingente zu. Und für den Verbraucher besteht nach wie vor Bezugscheinpflicht.

Als Übergangsregelung ist bei Tabak das durchlaufende Bezugsrecht ähnlich wie bei Textilien und Schuhen fortgefallen. Der Konsument ist an Punkte gebunden. Die Tabakproduktion des Kleinpflanzers ist, da Rohware Tabak knapp ist, nach wir vor bewirtschaftet.

Holz ist oder wird, abgesehen von Lieferauflagen. (dies geht aber den Produzenten an), frei.