DIE ZEIT

Verfassungswehen

Marschall Stalin hat im Kreise des Politbüros einmal gesagt, ein Staatsmann müsse das Ohr immer dicht am Boden haben, um genau darüber unterrichtet zu sein, was das Volk sage und denke, denn danach müsse sich die Politik des Staates richten.

Die Furcht vor Wahlen

Schon seit Monaten ging das Rätselraten um die für den Herbst fälligen Gemeindewahlen in den Ländern der Ostzone. Die dort zugelassenen bürgerlichen Parteien setzten auf diese Wahlen infolge des völligen moralischen Bankrotts, zu dem die SED-Politik in der Zone selbst nicht weniger eindeutig geführt hat als in Berlin, nur allzu berechtigte Hoffnungen.

Reform von oben

Der Einzelne schränkt seine Ausgaben seit der Geldreform ein, warum nicht der Staat? Der Unternehmer entläßt entbehrliche Kräfte, warum nicht die Behörde? Die Verwaltungsaufgaben sind weniger geworden, warum nicht die Zahl der Beamten und Angestellten? Gewiß, es hat in vielen Behörden bereits einen Umlauf gegeben, der zu Vorschlägen der Einsparung von Stellen aufrief.

Thronwechsel in Holland

Das Haus Oranien überdauerte die Revolutionen des 19., die Königin die Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Länger als irgendein Monarch Europas herrscht Wilhelmina von den Niederlanden, die am Dienstag ihren 68.

Offensive ohne Ende

Die großangelegte Operation gegen die Hauptkräfte der Rebellen des Generals Markos im Grammos-Gebirge wurde mit einem Sieg für die Regierungstruppen beendet.

Frankreichs Dauerkrise

Die französische Regierung Marie ist an den sozialpolitischen Konsequenzen der Reynautischen Wirtschaftskonzeption gescheitert.

Gespenstersonate im Weltband

Selbst geheimnisvoll, enthüllten sie das Geheimnis ihres Zusammenströmens und ließen auf die künftige Größe Pyrmonts in eine freundliche Ferne lichtvoll hinaussehen" – die drei geheimnisvollen Männer nämlich, die, Jüngling, Mann und Greis, am Ende einer Roman-Skizze von Goethe auftreten.

Wochenübersicht

In Moskau fanden erneut Besprechungen zwischen den Vertretern der Westmächte und Außenminister Molotow statt. Korrespondentenberichten zufolge soll eine Einigung über die Berliner Währung erzielt worden sein.

Franco trifft Don Juan

Der kleine südfranzösische Badeort St. Jean de Luz hatte eine Sensation: von einem spanischen Zerstörer, dessen Umrisse, in der starken Atlantikdünung auf- und niedertauchend, seit den frühen Morgenstunden in südwestlicher Richtung sichtbar gewesen waren, kämpfte sich ein Motorkutter zur Landungsbrücke, wo ihn ein mittelgroßer, schwarzhaariger Herr erwartete.

Intellektuellen-Krieg

Die sowjetischen Schriftsteller, die ihr Land auf dem in diesen Tagen nach Breslau einberufenen "Weltkongreß der geistig Schaffenden" vertraten, brauchen, nach Moskau zurückgekehrt, den Vergleich mit Wyschinski nicht zu fürchten.

Die "revolutionäre Situation"

Eine revolutionäre Situation schaffen..." Dieses Fragment aus einem marxistischen Lehrsatz spukt, nicht zu Ende gedacht, in den hundert Funktionärsgehirnen, die jetzt in Berlin "geschichtliche Tage" improvisieren.

Vansittart gegen Weizsäcker

Innerhalb des Nürnberger Prozesses gegen den früheren Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn von Weizsäcker, ist es kürzlich zu einer Kontroverse zwischen zwei Zeugen gekommen, die, sowohl was die Persönlichkeiten der Beteiligten als den historischen Gegenstand ihrer Auseinandersetzung anbetrifft, Interesse verdient.

Von der Lenin-Akademie zur Emigration

Vor kurzem entschloß sich ein junger Russe, nicht nach Rußland und in die Sowjet-Zone zurückzukehren: er war im Dienst der Sowjet-Spionage in Westeuropa tätig, wurde durch Verrat eines.

Tröstliche Erinnerung

Es stand nicht besonders gut um Europa. Die Russen machten Sorgen. Sie hatten zwar ihren Geheimvertrag mit Frankreich in der Tasche, aber um ihre Verpflichtungen kümmerten sie sich wenig.

Rußlands westliche Revolutionen

Wir wollen versuchen, die Tatsachen zu werden sie es, weil sie Kapitalisten und keine Kommunisten sind; verdammt werden sie nach wie vor.

Das Bild des Muschik

Die im russischen Volk wurzelnden berufenen Dichter – Gogol und Dostojewskij, Turgenjeff und Tolstoj, Gorki und der letzte große Epiker der verklumpen Zeit, Schischkoff; und viele andere – geben auf diese Frage Antwort, und auch ganz besonders die Volkssage, das Volkslied bieten, uns Möglichkeiten, sein inneres Wesen zu verstehen.

Fritz v. Unruh: Der Eiserne Steg

Dem Dichter Fritz von Unruh wurde am 28. August der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt verliehen. Damit wurde dem Warner vor der Unsinnigkeit von Kriegen, dem Mahner zur Vernunft, der 1932 nach Frankreich und später nach Amerika emigrierte, eine große Ehrung zuteil – Im folgenden veröffentlichen wir einen Auszug aus der 1926 entstandenen, in Deutschland bisher nicht gedruckten Dichtung "Der Eiserne Steg".

Historie und Entwicklung

Eine Zeit, die gewissermaßen keine Realität als Gegenwart hat, sondern schemenhaft, unfaßbar und konturlos zwischen noch nicht verarbeiteter Vergangenheit und noch nicht erarbeiteter Zukunft im Schwebezustand verharrt, legt es dem Dichter nahe, über die Gesetze des Werdens und Vergehens im Bereich der menschlichen Wirklichkeit nachzusinnen.

Die Schirme

Ich war immer, davon überzeugt, daß ich Influenza hatte. Aber am Freitag stieg meine Temperatur buchstäblich bis zum Verlust des Bewußtseins.

Der ernste Schatten des Domes

Es ist eine ernste, Frage, die in Köln anläßlich des Dombaufestes gestellt wurde: die Frage nach der Wirkung des Religiösen im schöpferischen Bewußtsein des modernen Menschen.

Notizen

Heinz Hilpert eröffnete die Spielzeit am Konstanzer Theater mit Shakespeares "Was ihr wollt" und der deutschen Erstaufführung von Max Frischs "Santa Cruz".

Kölner Dom-Festspiele 1948

In der Zeit der Theater-Sommerferien hatten in Köln die Städtischen Bühnen mit den "Domfestspielen 1948" Hochsaison. Dabei brachte das Kölner Theater dramaturgisch eine Ernte in die Scheunen, für die es in dreijähriger Arbeit gesät hatte.

"New Look" wird abgelöst

Es war doch eigentlich seltsam, als man im Lärm und zwischen den Trümmern der modernen Großstadt der neuen "altmodischen" Mode der Frauen begegnete: den langen, farbigen Kleidern, die die Hüften betonten, den hohen Absätzen der Schuhe und gar dem bunten Schirm.

Preiserhöhung statt Subvention

Da die ungesunde Subventionswirtschaft für Kohle und Eisen schon deswegen aufgegeben werden mußte, weil die in die Milliarden aufgelaufenen Zuschüsse nicht mehr weitergezahlt werden könnten, blieben an erster Stelle nur Preiserhöhungen, um die Werke aus einer tödlichen Defizitwirtschaft zu befreien.

Alles teurer – im Ausland

Die Gewerkschaften, unzufrieden mit der Entwicklung der Reallöhne, erwägen die Drohung mit dem Generalstreik. In Düsseldorf haben sie eine Resolution zustande gebracht, die nun allerdings einen beklagenswerten Mangel an konstruktiver Phantasie verrät: es wurde die "sofortige Wiedereinführung der Bewirtschaftung" und die Rückkehr zu Höchstpreisen und Preiskontrollen gefordert.

Neue Behörden!

Im BICO MEMO (48) vom 9. Juni wird gesagt,daß "die von den alliierten und deutschen Regierungen im Geschäftsverkehr angewandten Verfahren so schwerfällig sind, daß sie einem Wiederaufleben der deutschen Wirtschaft abträglich sind".

Immer noch bewirtschaftet...

Wer anfängt zu bewirtschaften, verläßt die Marktwirtschaft, die auf freie Preisbildung reagiert, zugunsten einer Befehlswirtschaft mit Rationierung und Preisbindung.

Hilft gut zureden?

Aus Kreisen der Textilindustrie erhalten wir die folgende Zuschrift, die wir deshalb veröffentlichen, weil die Nutzanwendungen daraus nicht nur für das engere Fachgebiet, sondern für alle Unternehmen, bis zum Einzelhandel zutreffen.

"Tragisch und sinnlos"

In jener Londoner Zeitschrift "New Statesman and Nation", die bisher zur Frage des westdeutschen Industriepotentials eine durchaus nicht immer glückliche Haltung vertreten hat, ist jetzt ein Beitrag von Mr.

Die Bank für Wiederaufbau

Ihr macht es euch zu leicht" – so etwa lautete der Tenor der alliierten Stellungnahme zu den deutschen Vorschlägen für die Errichtung der "Kreditanstalt für Wiederaufbau".

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