Da die ungesunde Subventionswirtschaft für Kohle und Eisen schon deswegen aufgegeben werden mußte, weil die in die Milliarden aufgelaufenen Zuschüsse nicht mehr weitergezahlt werden könnten, blieben an erster Stelle nur Preiserhöhungen, um die Werke aus einer tödlichen Defizitwirtschaft zu befreien. Die zweite Kohlenpreiserhöhung um 7,50 DM je Tonne ab 1. August wurde sogar wegen der gebotenen Eile von den Militärregierungen der Doppelzone angeordnet, nachdem die erste Erhöhung im 10 auf 25 RM ab 1. April in Kraft getreten war.

Mit den innerhalb von vier Monaten mehr als verdoppelten Kohlenpreisen kommen die Zechen im allgemeinen aus. Wer noch mit "roten Zahlen" arbeitet, kann um Subventionen nachsuchen, die nach genauer Prüfung der Verhältnisse nur so lange gezahlt werden sollen, als man die subventionierte Kohle braucht. Wenn dies nicht mehr der Fall ist, bleiben solchen Zechen nur drei Wege: Stillegung oder Übernahme durch andere oder Umwandlung ihrer Kohle in Spezialkohle. Ob eine Übernahme durch andere Zeiten und somit die Rettung. durch eine Mischrechnung in Frage kommen werden, hängt von vielen dann wirksamen Faktoren ab, die sich jetzt noch nicht übersehen lassen. Eine Mischrechnung im großen durch eine Art "Pool" wird von der deutschen Kohlenbergbauleitung abgelehnt, weil auf diese Weise der Anreiz zur Kostensenkung durch die Initiative der – einzelnen Zechen beeinträchtigt würde.

Während nach der Einführung der neuen Währung fast überall eine Steigerung der Gesamtproduktion und der Einzelleistung festzustellen war, liegen die Verhältnisse im Steinkohlenbergbau anders. Dafür werden verschiedene Gründe angeführt. Die Fett-Fleisch-Zuteilung im Juni führte zu einer Abnahme der Tarif-Urlauber-Fehlschichten, weil viele Bergleute in den Genuß der Vergünstigung kommen wollten. Im Juli stiegen die Fehlschichten der Untertage-Belegschaften von 15,3 auf 18,2 v. H. Der Anteil des Tarifurlaubs an den Fehlschichten betrug Ende Juni 2,6, Ende Juli 5,1 und in der erster? August-Woche 5,5 v. H. In der dritten August-Woche war ein leichter Rückgang der Fehlschichten festzustellen; die Förderung erreicht an einigen Tagen dieser Woche etwas über 289 000 Tonnen. Die Untertageleistung je Mann ging Ton 1,31 Tagestonnen im Juni auf 1,28 im Juli und auf 1,275 in der ersten Augusthälfte zurück, während sie in der Vorkriegszeit über zwei Tonnen betrug. Als Begründung wird unter anderem auf die Zusammensetzung der Belegschaften, die z. T. überaltert, z. T. erst kurze Zeit in diesem Berufe tätig sind, und auf den immer noch nicht behobenen Materialmangel verwiesen. Neue Anspornaktionen im Bergbau sind nicht mehr vorgesehen, da man in der D-Mark ein ausreichendes Anreizmittel sieht. Eine ruhige und stetige Entwicklung sowie eine stärkere Mechanisierung sollen die notwendige Steigerung der Förderung herbeiführen, für die die Beendigung der Demontagen, vor allem, in den Zubringerindustrien, als unerläßliche Voraussetzung betrachtet wird.

Während die finanzielle Grundlage der Kohlenindustrie durch die zweimalige Preiserhöhung eine gewisse Festigung erfahren hat, sind die Verhältnisse in der Eisenindustrie noch sehr schwierig. Die Heraufsetzung der Eisen- und Stahlpreise mit Wirkung vom 1. April wir, worauf schon damals hingewiesen wurde, nicht ausreichend. Einige Unkostenfaktoren für die zu 55 bis 60 v. H. rohstoffbedingten Industrie haben sich so ungünstig entwickelt, daß die täglichen Verluste zur Zeit auf etwa, eine halbe Million DM geschätzt werden. Sie verteilen sich auf die Verteuerung der Kohle (mit etwa 270 000 DM), des ausländischen, Erzes, der Gütertarife und einer Reihe anderer Posten. Von der Eisenindustrie selbst können die auf über 43 DM veranschlagten Verluste je Tonne Walzwerkerzeugnisse nicht getragen werden. Die 25 entflochtenen Gesellschaffen, die den weitaus größten Teil der Produktion darstellen, verfügen je nur über ein Aktienkapital von 100 000 DM und haben keine Reserven. Auch die Lage der "alten" Konzerne ist sehr, angespannt. Man hat in den letzten Jahren weniger aus wirtschaftlichen als aus politischen Gründen einen Ausgleich zwischen Unkosten. und Erlösen in der Eisenindustrie verhindert und den schon lange unhaltbaren Zustand durch Subventionen (etwa 50 DM je Tonne), die den entflochtenen Gesellschaften gewährt wurden, verdeckt. Da auch hier diese Zuschüsse nun ausfallen, bleiben nur Preiserhöhungen und sonstige Ausgleichsmöglichkeiten.

Im Hinblick auf die geringer gewordenen Unterschiede zwischen den inländischen und westeuropäischen Eisen- und Stahlpreisen und unter Berücksichtigung der Konkurrenzfähigkeit der deutschen eisenverarbeitenden Industrie will die Verwaltung für Wirtschaft nur eine Preiserhöhung von etwa 19 DM. zugestehen. Der Rest in Höhe von 24 DM muß infolgedessen auf anderen Wegen hereingeholt werden. Den von 44 auf. 42 DM verringerten Preis für Hochofenkoks hält die Eisenindustrie auf Grund einer Untersuchung der Unkosten der Hüttenkokereien für zu hoch. Generaldirektor Kost wies allerdings dieser Tage darauf hin, daß die Zechenkokereien zu Verlustbetrieben geworden seien, weil die Preise der Nebenprodukte hinter der allgemeinen Preisentwicklung zurückgeblieben sind. Die im Bergbau vorgesehene Enquete wird hier klärend wirken können. Daß für die Zechen Preisnachlässe schwierig,sind, wird bei ihrer Lage nicht bestritten, aber andererseits muß der Eisenindustrie geholfen werden. Die Erhöhung der Preise für ausländisches Erz, durch die Anwendung des 30-Cents-Umrechnungskurses, von 17 bis 18. auf 42 bis 43 DM hofft die Eisenindustrie durch stärkeren Export wenigstens zum Teil ausgleichen zu können; auch Mehrerlöse aus der Schrottausfuhr ließen sich, vielleicht heranziehen. Ob die Reichsbahn durch Ausnahmetarife der Eisenindustrie Entgegenkommen zeigen kann und wird, steht dahin, da sie selbst um die Bilanzierung ihres Etats kämpft. Es muß wieder überall sehr genau gerechnet werden.

Wenn die Eisenindustrie eine einigermaßen tragfähige finanzielle Grundlage findet, und die Produktionssteigerung der letzten Monate anhält, wird sich auch, die damit verbundene Kostendegression günstig auswirken. Rationellste Wirtschaft auf allen Gebieten und Leistungserhöhungen sind notwendig, zumal die Kreditverteuerung und sonstige Unkostenerhöhungen (für feuerfeste Steine, Walzen usw.) getragen werden müssen. Auch steht die Industrie vor größeren Aufbaukasten, für die sie langfristige Kredite braucht. Die Neuorganisation der Eisenindustrie und eine Beseitigung des derzeitigen Schwebezustandes wird ebenfalls von Tag zu Tag dringendere sie hängt mit einer wirklichen finanziellen Gesundung der Betriebe aufs engste zusammen. J. Schäfer.