Von Johann Jacob Häßlin

Es stand nicht besonders gut um Europa. Die Russen machten Sorgen. Sie hatten zwar ihren Geheimvertrag mit Frankreich in der Tasche, aber um ihre Verpflichtungen kümmerten sie sich wenig. Sie hatten alle Vorteile wahrgenommen; Finnland war erobert, und auch gegen die Türkei hatten sie sich freie Hand geben lassen; ihre Heere standen schon an der Donau. Wichtig auch war das Verhalten der Russen zur Kontinentalsperre: sie kehrten sich nicht daran. In diesem Punkt aber war Napoleon empfindlich. Er fing an, gegen den trotzigen Alexander zu rüsten. Er nahm Oldenburg – die Oldenburger waren mit den Romanows verwandt – endgültig in Besitz und schlug es zu den östlichen départements seines Reiches.

Diese départements waren 1810 gebildet worden, und sogar Hamburg war eine "bonne ville de l’Empire" und die Hamburger kamen sich höchst kurios dabei vor. Der schöne Titel bedeutete nämlich das Ende ihres Handels und ihrer Schifffahrt. Das Schlimmste aber war und blieb Napoleons Steckenpferd: die Kontinentalsperre. Im September 1810 hatte der Beherrscher Europas alle Kolonialwaren als aus englischem Handel herrührend erklärt und sie mit 50 v. H. Steuern belegt, im Oktober hatte er sogar die Verbrennung aller englischen Waren angeordnet. Das hatte natürlich einen lebhaften Schwarzhandel hervorgerufen, dem die Einverleibung der deutschen Nordseeküste ins "Empire" ein Ende zu bereiten schien. Es sah so aus, als müßten sich die nordamerikanischen und griechischen Schwarzhändler andere Wirkungsstätten aussuchen;

Österreich hatte gerade eine Währungsreform hinter, sich. Am 15. März 1811 kam dann der berühmt Währungsstichtag für das ganze Reich, alles Papiergeld wurde zur gleichen Stunde auf ein Fünftel seines Wertes herab-~~~~~~~ in neues Papiergeld umgetauscht, ~~~~~~~ des drohenden Krieges zwischen ~~~~~~~ und Rußland schien das neue Geld ~~~~~~~ sicher zu sein ...

~~~~~~~und fragen, was denn an diesen Erinne-~~~~~~~ sei?

~~~~~~~gerade in jenen schwarzen Tagen er-~~~~~~~ junger eleganter Herr aus Köln beim ~~~~~~~ in Weimar, eine kolossale Mappe ~~~~~~~ jungen vom unvollendeten Kölner Dom ~~~~~~~ gepäck. Der junge Mann wünschte ~~~~~~~ und nichts weniger als die "Rettung" des Kölner Doms. Doch Exzellenz war angesichts so viel byzantinischer Kunst –, so nannte man es damals noch – nicht besonders gnädig – "er brummte wie ein angeschossener. Bär ..." Aber nach ein paar Tagen war das Eis gebrochen, und als der unternehmungsfreudige junge Mann aus Köln abreiste, fiel ihm der Alte um den Hals, "das Wasser stand ihm in den Augen" ...

Sulpiz Boisserée reiste von Weimar nach Leipzig und traf dort mit Cotta zusammen, dem er zumutete, eine Riesenschwarte über den Kölner Dom zu verlegen, ausgerechnet auch noch mit eben jenen gigantischen – Zeichnungen illustriert. ... Hören wir, was Sulpiz darüber seinem Bruder berichtet:. "Hier habe ich gleich eine Menge Buchhändler gefunden, Zimmer, Perthes, Cotta. Alles klagt über die schlechten Zeiten, und keiner will einstweilen drucken, bis sich der Handel etwas aufklärt ... Es treiben sich viele Schriftsteller hier herum, die sich geltend zu machen versuchen. So erlebte ich an einem Nachmittag in einem Kaffeegarten, daß eine nicht geringe Zahl Cotta umgab, an der Spitze der dicke rubinrote Lafontaine, Schultze, Friedrich Laun genannt, Eberhard, Mahlmann, Campe, ein wohlgenährter Herr, und noch andere. Cotta sagte, es ist gar zu schlecht mit dem Buchhandel, es geht gar nichts. Der dicke Lafontaine wollte nach seiner Art der Sache eine witzige Wendung geben und erwiderte: Ja, ich selbst habe in diesen heißen Tagen Mühe fortzukommen, bricht mir doch an allen Enden der Schweiße aus.‘ – ‚Und Sie geben uns weiß Gott auch nicht wenig zu schwitzen‘, sagte ein gescheiter, angesehener Buchhändler (Anmerkung des Schreibers dieses: der dicke Lafontaine war so etwas wie die Courts-Mahler von damals: 150 Bände sentimentaler Spießbürgerlichkeiten!), ‚denn wir müssen Sie mit Gewalt von einer Tür zur anderen treiben, damit wir Sie los werden? ... Du kannst denken, daß Cotta sehr verdrießlich ist, indessen vereinigt sich alles nach gewohnter Weise, einstimmig, das Werk zu preisen und mich gegen alle bösen Launen zu unterstützen. Ich habe Cotta vorgestellt, da es eine Sache von mehreren Jahren sei, dürfe und könne man sie nicht liegen lassen, denn bis die Platten fertig würden, könne sich die Zeit zwei-, dreimal ändern." – Und an seinen mächtigen neugewon-~~~~~ schrieb Sulpiz: "Wie ~~~~~ ~~~ gen, wird sich ja auch ~~~~~ Wunsch entwickeln, so ~~~~~ auch der Handel zu ~~~~~ sehen ließ. Cotta vor ~~~~~ Augsnbrauen finster zusammen, ich hatte Mühe, ihm wieder den größeren Gesichtskreis für unser Werk aufzuklären, der über ein paar Messen, auf mehrere Jahre und über Deutschland auf ganz Europa hinausgeht. Er hatte über das Verbot des Morgenblattes in den Elbedepartements und über andere augenblickliche Schwierigkeiten die Ansicht für größere Dinge fast ganz verloren:" *)