Ende September findet bei der Weltbank in Washington unter Beteiligung von 46 Staaten eine internationale Währungskonferenz statt. Wie berichtet wird, will die Leitung des Internationalen Währungsfonds bei dieser Gelegenheit die Frage der Pfund-Abwertung behandeln.

Kein Geringerer als Mr. Morgenthau hat einmal behauptet: das wirtschaftliche Chaos in der Zeit nach dem ersten Weltkriege sei "durch die unstabilen Wechselkurse erzeugt worden". Nun ist es ja mitunter schwer, Ursache und Wirkung fein säuberlich auseinanderzuhalten. Aber die allgemeine Auffassung, die in diesem Falle wohl auch die richtige ist, sieht die Ursache für die nach 1918 eingetretenen inflationären Entwicklungen, die sich drastisch im Spiegelbild der intervalutarischen Kurse abzeichneten, ja nun doch in Kriegsfinanzierung und Kriegsfolgen, Entsprechend gilt umgekehrt, daß die Krise zu Beginn der dreißiger Jahre durch ein allzu lange währendes starres Festhalten am Prinzip der stabilen Außenkurse nur verschärft, sicherlich aber nicht gemildert worden, ist.

Bretton Woods: ein Anachronismus

Die eben zitierte Äußerung des früheren Schatzsekretärs der USA geht, auf jene Zeit zurück, als es sich darum handelte, das Vertragswerk von Brettern Woods durch zubringen. In Washington war man offenbar fasziniert von der Idee, durch Herstellung dauerhaft-fester Relationen zwischen den Währungen der UNO-Länder eine Art "Weltgeld" zu schaffen (oder doch vorzubereiten), mindestens aber eine Art Goldstandard-Ersatz zustande zu bringen. Höchst merkwürdig aber und auch heute noch geradezu rätselhaft ist, daß John Maynard Keynes, der den Vorrang der "inneren" Konjunkturpolitik Vor der Politik der "äußeren" Kursstabilität nur wenige Jahre vorher, erst theoretisch begründet und dann auch für England praktisch durchgepaukt hatte, nun nachdrücklich für Bretton Woods eintrat. Seine Verteidigung des Vertragswerkes im Parlament Jautete allerdings, England habe nach wie vor die Hände frei für eine selbständige Konjunkturpolitik. Und nichts stehe einer Abwertung des Pfundes im Wege, wenn die Verhältnisse sie später einmal als erwünscht erscheinen ließen ...

Das ist – natürlich – richtig, dem Wortlaut der Bestimmungen nach. Aber wenn die Akte von Bretton Woods, für den Fall des "gestörten Gleichgewichts der ökonomischen Grundlagen", eine Devalvation ausdrücklich als zulässig bezeichnet, so erschwert sie eben doch jede Entscheidung dieser Art fast bis zur Unmöglichkeit.

Andererseits aber läßt sie den Staaten die volle Autonomie, eine innere Inflation zu treiben. Und wie diese Autonomie ausgenützt wird, sehen wir ja fast überall in der Welt. Der Mann, dessen kritischer Darstellung des Sachverhalts (vergleiche "Neue Zürcher Zeitung", Nr. 230/1) wir hier folgen – es ist der frühere Bankdirektor und jetzige Professor Dr. L. Albert Hahn, aus den Jahren vor 1933 den Älteren unter, uns noch in bester Erinnerung – schreibt hierzu: "In einer Welt, in der jedes Land das Recht für sich in Anspruch nimmt, in Fragen der Wirtschaftspolitik im allgemeinen und der Währungspolitik im besonderen eigene Wege zu gehen, seine Löhne in – die Höhe schießen zu lassen, sein Budget defizitär zu gestalten und eine extreme casy money policy zu treiben, kann es keine Währungsstabilität geben."

Das Ziel von Bretton Woods ist also, wie Hahn auch in einem geistvollen Exkurs über die Theoriengeschichte der Währungsstabilität nachweist, antiquiert, das Vertragswerk ein Anachronismus und, letztlich, überflüssig. Was neuerdings auch in den Vereinigten Staaten vielfach klar erkannt und deutlich ausgesprochen worden ist. "Unter den gegenwärtigen Umständen eine (äußere) Währungsstabilität zu erstreben, heißt etwas Unmögliches fordern – so resümiert Hahn. –