Seitdem in den vergangenen Jahren die Wand zwischen Leben und Tod so dünn geworden ist, beschäftigt sich der Mensch mehr als je zuvor mit jenseitigen Gedanken und der Film mit postmortalen Späßen. Es ist dem Film sozusagen eine Blende für den metaphysischen Witz aufgegangen. Und es ist hübsch zu sehen, wie der kleine Moritz sich den Himmel vorstellt. (In dieser Sache dürften wir ja alle – die Theologen und die Philosophen abgerechnet – mehr oder minder kleine Moritze sein.)

Dem englischen Flieger Peter – so will es der im Waterloo-Theater in Hamburg gezeigte Rank-Farbfilm "Irrtum im Jenseits" (A matter of live and death) – wird an einem der letzten Kriegstage das Flugzeug in Brand geschossen. Seine Kameraden sind tot oder mit dem Fallschirm abgesprungen. Peter selbst – durch FT mit der Bodenstelle und mit dem amerikanischen Blitzmädel Jane verbunden – erklärt ihr, der bis dahin Unbekannten, noch schnell seine Liebe und springt ohne Fallschirm ab. Er springt in den Tod, wie er meint, denn sein Fallschirm ist nicht in Ordnung. An dieser Stelle zeigt der Film, der vorher farbenfroh und phantastisch die Sterne am Himmel Revue passieren ließ, traumhaft schöne Bilder vom Wellenschlag des Meeres. Und siehe: ein Kopf taucht auf. Peter lebt, wird an Land geschwemmt, trifft Jane. Aber der Kopf des aus dem Wasser aufgetauchten Fliegers ist wie der Fallschirm nicht mehr ganz in Ordnung. Er müßte ja eigentlich tot sein der Peter, und wenn ihn die Kopfschmerzen, die Anfälle des Gehirnverletzten, überkommen, sieht er den Himmel, so wie er ihn sich vorstellt. Und jetzt geht’s los: Eine himmlische Kartothek, in der sein Name fehlt... fluchende tote Flieger... eine Ausgabestelle für Engelsflügel ... Die Gags jagen einander. Vor allem dies muß man höchlichst an dem Drehbuch und der Regie von Michael Powell und Emeric Preßburger rühmen: sie haben an Einfällen nicht gespart. Aber die Szenen im Höhepunkt des Filmes, nämlich ein höchst weltliches himmlisches Gericht mit einem Rededuell zwischen einer historischen Figur altamerikanischer Geschichte und einem just verstorbenen Arzt, ein Dialog um die Frage, ob Peter sterben muß oder weiterleben darf, diese bildlich grandiosen Szenen im Sinne einer unter Volldampf stehenden Traumfabrik sind ein wenig zu breit ausgespielt. Schließlich steigt das Gericht eine schimmernde Himmelstreppe hinab, die aus dem Bestände der Ufa stammen könnte Lokaltermin: Peter erhebt sich vom irdischen Operationstisch und tritt mit Jane vor die Treppenstufen. Ach, sie lieben sich so sehr, daß einer-für den anderen bereit ist, die Stufen zur Himmelstreppe (die natürlich vollautomatisch wie in Untergrundbahnhöfen ist) zu besteigen. Die Operation glückt. Peter, jetzt ohne Kopfschmerzen und Halluzinationen, wird fortan nur noch in einer Dimension, der irdischen, leben. Der Film hat von dem Kontrast beider Welten – der wirklichen und der eingebildeten – gelebt, und besonders das Überblenden von der einen zur anderen Sphäre war immer sehr drollig: die Bewegungen der Alltagsmenschen erstarrten, und dann hub das Jenseits an sein Garn zu spinnen. Einer lebte realiter (soweit man es so nennen kann) in beiden Welten: der Arzt, der auf Erden im Bemühen um Peter stirbt und im Himmel dann sein Advokat wird: Roger Livesey, ein Darsteller von feinster Noblesse. Peter war David Niven, Jane Kim Hunter. – Das Publikum hatte Sinn für die glänzend servierte, mit scharfem, enorm witzigem, aber total kaltem Intellekt konstruierte irdisch-himmlische Revue. Es gab mit Recht viel Beifall.

Josef Martin-