Düsseldorf ist nicht nur Gründgensopolis. Viele Kleinkunstbühnen wetteifern dort um die Palme. Ihr Grün schmückt heute unangefochten ein Kommödchen – das "Kommödchen" von Kay und Lore Lorentz. Nicht als ob auf den anderen Kabaretts Unterdurchschnittliches geleistet würde! Da ist "Die Wäscheleine" von Günter Ebert, einem witzigen Kopf, der mit seinem Programm "Schwarz auf Weiß" und seinen neuesten nachtkabarettistischen Leckereien Leute von Geist anspricht. Weniger Glück hatte die "Staffeley", die sich sehr prätentiös-modern gab mit Neigung zu Geschmacksextremen. Bald tauchte jenseits des Stroms in Oberkassel ein neues Kometlein am Kabaretthimmel auf: Michael Burks "Sextaner" in der Bohème, ein Emsemble von sechs Leutchen, spritzig, sympathisch, frech, blutjung.

Als Dauerstern aber verdient nach wie vor das "Kommödchen" der Lorentze Bewunderung. Woran liegt’s? An ihrem Mut, der von Anmut – nicht von Hochmut kommt! Das "Kommödchen" hat die Courage, Stellung zu nehmen. Zur Demontage beispielsweise, indem es sich selbst demontieren läßt ("Demontare necesse est"). Einen anderen Höhepunkt bildete die "Serenade bizonale", in der die Not unserer Gegenwart unblasphemisch-choralisch mit der Ergriffenheit des Galgenhumors in einer Art Lethargie-Liturgie, das "Miserere nobis!" in ein "Misere nobis!" umwandelnd, frommen Spottes gegeißelt wurde. Inzwischen folgte ein Programm, in dem eine durchschlagende "Staats-Parodie" mit einem täuschend nachmodellierten, abnehmbaren Kopf, einem "kopflosen" Staatsoberhaupt und einem lebendigen, sprechenden, körperlosen Kopf auf der Tischplatte auffiel und schließlich, eingeleitet durch einen marionettenhaft filmisch aufgezogenen Reklame-Vorspann, die burleske Filmsketch-Parodie auf die englischen Rank-Filme: "Out of bounds to all Ranks!". Gerd Vielhaber