Die Verordnung Nr. 152 der britischen Militärregierung über die Neuregelung der Finanzverwaltung hebt die Verordnung Nr. 23 auf, auf der das Zonenamt des Reichsaufsichtsamtes für das Versicherungswesen beruht. Der Termin für das Inkrafttreten dieser Aufhebung bleibt vorbehalten, doch hierbei dürfte es sich nur um eine letzte Frist handeln. Damit würde die im Jahre 1901 reichseinheitlich errichtete Versicherungsaufsicht in das Durcheinander einer vielgestaltigen Länderaufsicht zerfallen.

Man muß sich klar machen, was das bedeutet. Die im Zeitalter eines klassischen Liberalismus unter allseitiger Zustimmung begründete einheitliche Staatsaufsicht wurde als notwendig erkannt, weil es galt, die Erfüllbarkeit der langjährigen Versicherungsverträge zu sichern und die Rentabilität und Sicherheit der großen Kapitalien der Versicherten ausreichend zu schützen. Ein starkes öffentliches Interesse an der einheitlichen Versicherungsaufsicht wurde bejaht.

Die Gründe sind für jeden Kenner des Versicherungswesens ohne weiteres greifbar. Sie liegen in der Notwendigkeit, das versicherte Risiko auf möglichst breiter Grundlage zu atomisieren und auf eine Vielzahl von Schultern zu verteilen. Je enger der Versicherungsraum wird, um so unwirksamer wird das Versicherungsgrundgesetz. Das Versicherungsgeschäft ist grundsätzlich ein genormtes und typisiertes Massengeschäft, das nach einheitlichen Rechtsgrundlagen und Getchältsbedingungen gehandhabt werden muß. Entsprechend einheitlich muß daher auch die Aufsichtspraxis sein.

Die Gründe für die einheitliche Versicherungsaufsicht damals: und heute liegen aber auch in dem sehr wesentlichen Kostenfaktor. Alle Kosten des Versicherungsgeschäfts einschließlich der Versicherungsaufslcht, die auf die Versicherungsunternehmungen umgelegt werden, trägt letzten Endes der Versicherte. hs.