Zweihundert Jahre dänischer Malerei führt eine Ausstellung im Städtischen Museum Flensburg vor Augen, die vom Ny Carlsberg Fond in Kopenhagen dem Schleswiger Grenzland als willkommene Gabe kulturellen Austausches geboten wird. Mit großer Sorgfalt sind über 170 Gemälde von 61 verschiedenen Künstlern aus den dänischen staatlichen Museen und aus Privatsammlungen ausgewählt worden, die einen Begriff von dänischer Malkunst vermitteln – von einer Malkunst, in die der zweite Humanismus der Goethezeit über alle Grenzen hinaus sein ausgeglichenes, warmes, wachstumsfreudiges Klima ausdehnte und auf diesen glücklichen Inseln voll beschaulicher Stille und selbstgenügsamer Bescheidung bis in unsere Zeit hinübergerettet hat. Das künstlerische Schwergewicht der Ausstellung liegt auf diesem "Guldalder" der dänischen Malerei, das die Meister des Klassizismus und Biedermeier umfaßt: auf dem liebenswürdigen, erstaunlich frischen Jens Juel, auf dem an David und Ingres geschulten C. W. Eckersberg, dem etwas blasseren Constantin Hansen, dem kühlen Jörgen Roed und auf den biedermeierlich-intimen Landschaften Christian Köbkes. Mit innigen Gefühlen versenkt sich der Betrachter in die Geborgenheit, Intimität und meditative Stille einer Bildwelt, die das Humane, das geläutert Mensch-Ii als das Maß der Dinge setzt. Es ist die Welt des von Rilke so verehrten dänischen Dichters Jens Peter Jacobsen, seine sparsame, konzentrierte, natur-malerische Kunst der Schilderung, die uns aus den gedämpften Interieurs eines Eckersberg, Hansen und Hammershoi, aus diesen frühimpressionistischen Landschaften Köbkes oder der herbstlich versonnenen Wärme eines Hans Smidth (1839–1917) entgegenleuchtet.

Die Moderne, zu der die dänischen nationalen "Romantiker" Jörgen Sonne, Christen Dalsgaard, Vilhelm Marstrand und die frühen Realisten J. Th. Lundby, P. C. Skovgaard, Emanuel Larsen und Vilhelm Kyhn hinüberleiten, hält den konservativen, gedämpften und intimen Charakter des "Guldalders" noch fest in einer Zeit, da in Mitteleuropa das Revolutionäre und Laute immer sprengender vordringt. Die nicht so günstig vertretenen, in Dänemark vielleicht überschätzten Maler der Skagen-Gruppe: P. S. Kroyer, Michael und Anna Ancher, prägen den Impressionismus in eine volkstümliche Münze um. Lauritz Andersen Ring fügt seine mit der farbigen Delikatesse eines Manet und der Sachtreue eines Leibl gemalten Figuren in eine kühle, sorgfältig modellierte, greifbare Plastizität, die der Klarheit des nordischen Himmels zu entsprechen scheint. Erst mit J. F. Willumsen setzt die brutale Kraft und die elementare Farbigkeit der Moderne ein, die dann, gesättigt mit den Anregungen der Pariser Schulen, in William Scharff, Vilhelm Lundberg, Th, Hagedorn-Olsen, Olaf Rude, Oluf Höst, Harald Giersing und Jens Söndergaard, einige kraftvolle und eigenwillige Vertreter in die Ausstellung entsendet. Ludwig Rohling