Eine Reform des Devisenbonus A wird seit längerer Zeit angestrebt. Versuchsweise erhält seit mehreren Monaten die Textilindustrie und auch die keramische Industrie nicht den allgemein gezahlten Bonus A von 5 v. H., sondern eine Quote von 25 v. H. Bei Bewährung dieses Systems der erhöhten direkten Devisenzuteilung an die Exportindustrie (und ihre Vorlieferanten), so wurde schon damals versprochen, soll diese Erhöhung der gesamten Exportwirtschaft zur kommen.

Das Ziel ist klar: es kommt für die Export Wirtschaft darauf an, konkurrenzfähiger zu werden. Dafür braucht sie moderne, vom Ausland in den Jahren der Abschließung entwickelte Maschinen, aber auch Rohstoffe und Hilfsstoffe, die nur mittelbar mit der eigentlichen Exportproduktion zusammenhängen und schließlich Bürogeräte, Kraftwagen und vieles andere, was mit Devisen leichter beschaffbar ist als selbst mit DM. Die allgemeine Erhöhung des Bonus A auf 20 v. H., die jetzt vom Außenhandelsausschuß im Wirtschaftsrat befürwortet wird, soll jedoch noch einen Schritt weitergehen. Sie soll das Recht zur freien Übertragung für diesen Teil der Devisenerlöse einschließen.

Nicht nur der Vorlieferant eines Exportartikels, sondern auch mancher andere Lieferant des Unternehmens und überhaupt mancher andere Wirtschaftende braucht dringend ein freies Devisenkontingent, um seine Produktion verbessern zu können. Eine völlige Beseitigung der Devisenlenkung ist solange undenkbar, als wir von Hilfeleistungen des Auslandes, wie dem Marshall-Plan und den britisch-amerikanischen Lieferungen "zur Verhinderung von Seuchen und Aufständen" abhängig sind. Aber für den kleineren Ausschnitt der Produktionsverbesserung – und auf diese Verwendungszwecke würde der übertragbare Bonus-Schein begrenzt bleiben – wäre das neue Papier mit freiem Verfügungsrecht und einem frei sich bildenden Preis wohl vertretbar. Gegen Mißbräuche wäre es leicht zu schützen.

Von einer übermäßigen Verteuerung der Einfuhr über die Bonus-Devise soll man gar nicht erst reden. Wenn die Freiheit der Material- und Maschinenbeschaffung aus dem Auslande für die Rationalisierung der Wirtschaft hergestellt wird, so muß man den freien Preis in Kauf nehmen, auch wenn der Dollar mehr als 3,33 DM kostet. Man darf auch den zu erwartenden Kurs für die Bonus-Devise nicht mit einer "ungünstigen" Auslandsbewertung der DM verwechseln. Es handelt sich eben einfach um den Preis, der für die rückständige notwendige Modernisierung der deutschen Produktion gezahlt werden muß. In diesem Sinne kann man dem deutschen Vorschlag nur rechtzeitigen Erfolg bei den zuständigen alliierten Stellen wünschen, die ja grundsätzlich dem verfolgten Ziel, der deutschen Leistungsteigerung, wohlgesonnen sind. Gw.

Auf der Genfer Zollkonferenz wurde den drei deutschen Westzonen das Meistbegünstigungsrecht von 23 Staaten eingeräumt.