Von Walter Floote

Preisausschreiben sind gut, eine lockende Rennbahn für junge Autoren ... Da veranstaltet augenblicklich ein Berliner Verlag ein Preisausschreiben für einen Zukunftsroman. Ein freier Geländelauf, wie es scheint, denn er soll im dritten Jahrtausend in Deutschland spielen. Ausgesetzt je ein Lenin-, Franklin- und Hölderlinpreis...

Ach, aus dem freien, fröMichen Waldlauf ist ein Gymkanarennen geworden, bei dem man durch enge, weltanschauliche Fässer kriechen muß. Hauptsache ist nicht, daß man das Rennen macht. Hauptsache ist, daß man eine politische Theorie zum Ziel bringt. Welche Theorie ...? Man muß es genau wissen. Sonst gerät man in den dialektischen Prozeß. Quantität schlägt in Qualität um. Und man wird als junger Fortschrittler zu den alten Reaktionären geworfen. Wer weiß?

Freilich bei diesem literarischen Sackhüpfen des Berliner Verlages ist der Hauptpreis nicht schwer zu erkennen. Die beiden anderen sind nur Attrappen. Aber sollte man nicht lieber ganz sichergehen wollen? Und allen Wünschen gerecht werden? Etwa so:

"... Weißt du", sagte der junge Professor und seine Augen leuchteten dankbar auf, "das bedeutsamste Jahr unserer ganzen Geschichte war doch 1948. Ein Glück, daß sich damals die Russen, Engländer, Franzosen, Amerikaner, durchgesetzt haben und nicht die Amerikaner, Franzosen, Engländer, Russen. Letzten Endes ist doch die damalige Durchführung der Bodenreform und Entmonopolisierung, die glückliche Rückbildung Deutschlands zu einem Agrarland, die Wiedereinführung der freien Wirtschaft die Grundlage, für unseren heutigen (Wohlstand ... Eva schmiegte sich an ihn. "Du hast wie immer recht", sagte sie ... Und der junge Professor fügte zärtlich hinzu: "Da? Nichtgewünschte kann sich jeder selbst durchstreichen." Ach, und Eva barg den Blondkopf glücklich an – seiner Brust. Wußte sie doch, daß dort ein Herz schlug, daß allen Schattierungen jeweils gewünschter Demokratie gewachsen war...