Der unerwartete Tod des Generalgouverneurs von Pakistan, Mohammed Ali Jinnah, am Vorabend der blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Mohammedanern und der Indischen Union über das Schicksal des Staates Haiderabad ist wohl der härteste Schlag, der den jungen Staat Pakistan treffen konnte. Denn dieser Staat ist ganz und ausschließlich das Werk Jinnahs. Seit es Ende der zwanziger Jahre immer deutlicher wurde, daß der Kongreß sich entschlossen hatte, für die vollkommene Loslösung Indiens von England zu kämpfen, waren Jinnahs Bemühungen auf die Errichtung eines selbständig gen mohammedanischen Staatswesens gerichtet. Die ständige und wahrscheinlich berechtigte Sorge, daß in einem von England unabhängigen Indien die Interessen der Mohammedaner zu kurz kommen würden, gaben seinem unermüdlichen Kampf etwas Hektisches, und oft ist ihm der Vorwurf gemacht worden, die Einheit Indiens aus kleinlichem nationalreligiösem Eifer verschlagen zu haben.

Jinnah wurde 1876 in Karachi geboren, der Stadt, von der aus heute der größte mohammedanische Staat der Welt seine 90 Millionen Einwohner regiert. Es war eine glänzende Laufbahn, die Mohammed Ali in weitgespanntem Bogen von der Hafenstadt Karachi zu der Hauptstadt Karachi geführt hat, in der er nun sein Leben vollendete. Nur wenigen Staatsmännern ist ein solch stetiger, persönlich erkämpfter Aufstieg beschieden. Seine Studien hatte er in London begonnen, wo er mit 21 Jahren die Zulassung zum Rechtsanwalt erhielt. Aber schon ein Jahr später kehrte er nach Indien zurück, um bald darauf in Bombay eine Praxis zu eröffnen, die zu den gesuchtesten und erfolgreichsten ganz Indiens zählte. Seine Stellung als Anwalt und später als Politiker – 1916 wurde er zum erstenmal Präsident der Moslem-Liga, die erst unter ihm ihre große politische Bedeutung erhielt – war sowohl seiner glänzenden rednerischen Begabung wie seinem unbestechlichen logischen Verstand und seinem weltmännischen Weitblick zu danken. Sein Leben lang blieb er englisch-europäischer Kultur zugetan und nicht selten ist ihm von indisch-nationalistischen Kreisen der Vorwurf gemacht worden, er kenne die europäische Literatur und die englische Sprache besser als die klassische Bildungswelt seiner asiatischen Heimat. Noch im Sommer 1942, als die Japaner vor den Grenzen von Assam standen und der Kongreß durch den Aufruf zum passiven Widerstand die englische Verwaltung in eine außerordentlich prekäre Situation gebracht hatte, verhielten sich die Mohammedaner unter Führung Jinnahs neutral – ein Beweis freundschaftlicher Gesinnung, den England nicht vergessen hat. Dff.