Adolf Grimme, bisheriger Kultusminister von Niedersachsen, einer der führenden Köpfe der deutschen Kulturpolitik nach dem Kriege, wurde zum Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks erwählt und wird dieses Amt am 15. November übernehmen. Der Verwaltungsrat des NWDR hat in seltener Einstimmigkeit auf einer Sitzung in Niendorf (Holstein) diesen heute 59jährigen Mann zum Nachfolger Mr. H. C. Greens bestimmt. Und Adolf Grimme, dessen Wechsel vom Ministersessel in Niedersachsen zum Funk sicherlich manchen seiner alten Mitarbeiter verwundert, hat sich für den Rundfunk offenbar viel vorgenommen. Er will den NWDR zu einem kulturellen Instrument machen. Er will, daß dem Rundfunk – über die Aufgabe, den Hörern Unterhaltung zu bieten, hinaus – eine Kulturmission bewußt werde, die als jederzeit verbindliche Grundregel bei allen seinen Sendungen in Erscheinung treten soll.

So kann man an den Wechsel in der Leitung des NWDR einige Erwartungen knüpfen. Ein großer Hörerkreis (wohl der größte einer deutschen Sendergruppe) wird auf die Einwirkung, die Adolf Grimme auf die Grundhaltung und Gestaltung der Programme gewinnt, gespannt sein.

p. h.