Zwei Verlage haben sich die bedeutsame Aufgabe gestellt, das Werk des größten britischen Dichters, der auf die deutsche Kultur womöglich mehr Einfluß gehabt hat als selbst auf die englische, in beiden Sprachen zu veröffentlichen. Beide Verleger haben – wie könnte es auch anders sein? – die Schlegel-Tiecksche Übersetzung gewählt. In geschmackvollem Format und mit gepflegtem Druck auf vorzüglichem Papier repräsentiert sich die Ausgabe der Shakespeareschen Liebes- und Heldentragödien (Othello, Romeo, Antonius und Kleopatra, Coriolan, Julius Cäsar, Hamlet) des Eckardt und Messtorff-Verlages, Hamburg: drei Bände "Meisterwerke der Klassik" aus der Sammlung "Die Brücke". Der Transmare-Verlag, Berlin, indessen hat Paul Wiegler beauftragt, die in einzelnen Bänden erscheinenden Shakespeare-Dramen zu interpretieren. (Bisher kamen die Bände "Hamlet" und "Romeo und Julia" heraus.) Den Unterschied zwischen beiden Ausgaben macht jedoch nicht nur die Tatsache aus, daß Wieglers glänzend formulierter, gründlicher Essay – etwa im Falle der Romeo-Ausgabe – durch die stofflich entsprechende Novelle Bandellos bereichert ist, sondern der Herausgeber verzichtet auf Streichungen des Urtextes auch dort, wo Schlegels Übersetzung Lücken aufweist, etwa weil gewisse Wortspiele im Englischen gar nicht ins Deutsch zu übertragen waren. Es ist übrigens schwer, sich für eine der beiden Ausgaben zu entscheiden; beide Verlage haben sich Verdienste erworben, für die man gleicherweise dankbar sein muß. J. M.

*

Ein sicheres Zeichen von einem guten Buche ist, wenn es einem immer besser gefällt, je älter man wird. G. Ch. Lichtenberg

*

Oh, wahrhaftig, das schlechte Buch "ist rar, in welches sich gar nichts Gutes, auch nicht von ungefähr, eingeschlichen hätte.

Gotthold Ephraim Lessing