"Münchhausen" in Bielefeld

Tröstlich und erschütternd zugleich: Walter Hasenclever, der ekstatische Expressionist, der verfolgte Dichter und Mensch, hat uns aus der Emigration ein Stück der Liebe zu Deutschland hinterlassen. Sein Schauspiel "Münchhausen", das das letzte Liebesabenteuer des tollen Lügenbarons schildert – ein Abenteuer übrigens, das tragisch endet –, schöpft seine Kraft aus den heimatgebundenen Menschen Westfalens und dem schwermütigen Zauber dunkler Herbstabende an der Weser.

In die männliche Tafelrunde des alternden Münchhausens, an der er bei Rehbraten und Wein mit polternder Stimme seine unglaublichen Storys erzählt, tritt an einem solchen Herbstabend Bernhardine von Brünn, ein siebzehnjähriges Bernhardine und verzaubert im Handumdrehen den alten Liebhaber der russischen Zarin. Er heiratet sie, riskiert den großen Einsatz seines Selbst und – verliert. Zuerst Besitz und Geld, Name und Ansehen dann, und zuletzt sein Herz. Übrigbleibt eine Einsamkeit. Übrigbleibt der Tod, den jeder ganz allein sterben muß ... Aber eine Einsicht hat er gewonnen; Vor der Gegenwärtigkeit der Liebe haben sich die romantischen Kategorien des "Lügenbarons" als zu schwach erwiesen. So schickt er Bernhardine, da sie zu ihm zurückkehren will, fort. Denn für sein letztes, sein wahres Abenteuer gibt es kein happy end mehr.

Schwer zu erraten, warum dieses Stück bei seiner deutschen Uraufführung in Leipzig ein Mißerfolg wurde. Die westdeutsche Premiere im Stadttheater Bielefeld brachte ihm die Anerkennung, die es verdient. Gewiß hat Hasenclevers "Münchhausen" manchmal den schwächlichen Hang, ins Romantische, Symbolhafte auszubiegen. Aber die Tragik der Dichtung ist echt. Und echt ist der poetische Ton, in dem der alte Baron seine Lügengeschichten erzählt:

Die Bielefelder Aufführung stand unter dem Eindruck der Leistung des Stuttgarter Gastes Walther Kottenkamp. Er half der Regie von H. J. Ruth manche zu breite Szene überbrücken. Als seine Partnerin legte Hertha Roth so viel Scharm an den Tag, daß sie nicht nur den alten Baron bezauberte...

"Der fröhliche Weinberg"

Ein hoffnungsvoller Start der Hamburger "Jungen Bühne" in die neue Spielzeit: Carl Zuckmayers Lustspiel "Der fröhliche Weinberg". – Ja wahrhaftig, rechnet man einmal ernsthaft nach, so ist man erstaunt, wie wenig echte Lustspiele das deutsche Theater, verglichen mit dem der Spaniermit ihrem Lope de Vega und dem der Franzosen mit ihrem Molière, zur Verfügung hat! Zuckmayer aber besitzt die bei den deutschen Autoren so seltene Gabe,uns aus vollem Herzen lachen zu machen, einfach aus Freude an der Situation, die er in knappen Szenen meisterhaft aufzubauen weiß.