Die konsequente Loslösung der finnischen Innenpolitik von volksdemokratisch-kommunistischer Bevormundung findet unter dem Kabinett Fagerholm ihre Fortsetzung. Sie begann vor den finnischen Reichstagswahlen mit der Amtsenthebung des kommunistischen Innenministers Leino durch den Staatspräsidenten Paasikivi, nachdem zuvor die Verfügungsgewalt Leinos über die Polizei entscheidend eingeschränkt worden war. Das Ziel erster Etappe bildete die Sicherstellung unbeeinflußter Wahlen. Die Wahlniederlage der kommunistisch beherrschten Volksdemokraten zeigte, daß der echte Rückhalt der Kommunisten in der Bevölkerung in keiner Weise dem durch sie in der finnischen Politik bisher ausgeübten Einfluß entsprach.

Paasikivi zögerte nicht, die innenpolitischen Machtverhältnisse zu berichtigen. Er bediente sich hierbei der Reformarbeit des Kabinetts Fagerholm. Die vor den Reichstagswahlen gegenüber Leino betätigte Erkenntnis, daß die Zuverlässigkeit der staatlichen Exekutive entscheidend von der Art des Polizeiwesens abhängt, wurde auch von Fagerholm nicht preisgegeben. Vielmehr setzte auch er hier den Hebel seiner Reformen an. Die von den Parteianhängern der Volksdemokraten durchsetzte "Hilfspolizei" wird gegenwärtig aufgelöst. Auch die sogenannte "Bewegliche Polizei" sieht sich einer umfangreichen personellen Umbesetzung gegenüber. Den größten Riß in das von Leino begründete System bedeutet aber die Umorganisation der "Geheimen Staaspolizei", mit der eine staatliche Kommission gegenwärtig befaßt ist. Formal sind alle diese Maßnahmen wenig angreifbar, denn sie werden mit Rationalisierungszwecken begründet und durch den Hinweis auf den gleichzeitigen Umbau verschiedener Verwaltungszweige einleuchtend.

jedoch, weder die Begründung noch dieser Hinweis können selbstverständlich diese Politik vor der stärksten Gegnerschaft der Kommunisten und dem unvermeidlichen Mißfallen des Kreml bewahren. Das dumpfe unterirdische Grollen, von dem man auch in der Politik des Ostens nie wissen kann, ob es nicht einem Erdbeben vorausgeht, wird schon verschiedentlich vernehmbar. Bisher allerdings, ohne die Zielstrebigkeit Fagerholms und die tapfere Gelassenheit der Finnen zu beirren. So vollzieht sich denn vor den Toren Leningrads eine Politik, die nur als ausgesprochene Absage an das bolschewistische System aufgefaßt werden kann.

Frau Hertta Kuusinen, die die politische Erbschaft ihres Mannes Leino übernommen hat, deutete bereits in ihrer Kampfansage in die Richtung, aus der sie die Gefahren heraufbeschwören will. Der Kreml fing indessen nur zögernd den ihm zugeworfenen Ball auf. So wurde denn für die Finnen die Reihe der Unbequemlichkeiten eröffnet durch die demonstrative Anfrage in einer sowjetischen Note, wieweit man eigentlich mit dem Bau der im Friedensvertrag vorgesehenen Salla-Bahn sei. Inzwischen hat der sowjetische Rundfunkkommentator Iljinski die Rolle des Aufsehers übernommen. Er beschuldigte Finnland, daß das laut Friedensvertrag aufgelöste Schutzkorps seine geheime Wiederauferstehung feiere. Die finnische Regierung hat inzwischen klargestellt, daß es sich bei den von Iljinski aufgegriffenen Vorgängen um die Schießübungen zweier örtlicher Schützenvereine handele, die in ihren Reihen zahlreiche Angehörige der finnischen Linken enthielten und ihre ~~~~~~ lediglich in Ermangelung anderer Möglichkeiten in den Schießanlagen des früheren Schutzkorps abgehalten hatten. Damit löst sich zwar der Vorwurf in nichts auf, nicht aber die hinter ihm verborgene Absicht. – ‚Wenn jetzt in Helsinki der finnische Kollege Iljinskis, der kommunistische Radio-Kommentator Vahteri, seines Amtes enthoben und durch einen Sozialdemokraten ersetzt worden ist, so zeigt das zum mindesten, daß in Helsinki die maßgebenden Kreise sich nicht einschüchtern lassen. v. Dewitz