Fast ein ganzes Jahr hat der Streit zwischen der Indischen Union und Haiderabad über die Frage der Souveränität dieses Staates gedauert. Alle denkbaren Varianten eines möglichen oder notwendigen Anschlusses an die Union sind immer wieder durchgesprochen worden, ohne daß der Nizam sich hätte entschließen können, dem Druck Delhis nachzugeben. Schließlich wurden die Verhandlungen abgebrochen, und nach einer längeren wirtschaftlichen Blockade stellte die indische Regierung ein Ultimatum, in dem sie verlangte, daß der Nizam die moslemische Freiwilligen-Organisation der Razakars auflösen und den indischen Truppen die Garnison Securiderabad zur Verfügung stellen solle. Das Ultimatum lief unbeantwortet ab, die indischen Truppen marschierten in Haiderabad ein, und während fünf Tagen bot sich das peinliche Schauspiel einer raschen Überwältigung des kleinen, waffenlosen Staates durch eine Übermacht von Truppen, Panzern und Flugzeugen.

Indessen trat nichts von alledem ein, was man erwartet hatte, weder entspannen sich in Haiderabad selbst zwischen Moslems und Hindus irgendwelche Auseinandersetzungen, noch wurde dieser Krieg zum Anlaß für das Wiederaufleben des alten Konflikts zwischen Indien und Pakistan; vielmehr kapitulierte der Nizam am fünften Tage, bevor die indischen Truppen die Hauptstadt erreicht hatten, entließ die Regierung, betraute den verständigungsbereiten Sir Mirza Ismail mit der Bildung einer neuen Regierung und erfüllte im übrigen die beiden Bedingungen des Ultimatums. Einen kurz zuvor bei der UNO gestellten Antrag auf Verhandlung der Streitfrage zog der Nizam zurück mit der Begründung, er werde sich mit Indien freundschaftlich einigen. Haiderabad ist vorläufig einer indischen Militärregierung unterstellt worden; die weitere Zukunft bleibt jedoch einstweilen noch im Dunkeln, wie auch die Frage, was eigentlich der Plan des Nizam gewesen sein mag, der sich den Verlauf dieses Krieges doch kaum anders hätte vorstellen dürfen.

Die einzige Chance für ihn liegt jetzt in der Tatsache, daß die gegnerische Seite sich ganz eindeutig ins Unrecht gesetzt hat und er darum vielleicht hoffen könnte, vor dem Forum der UNO etwas zu erreichen. Sollte er vielleicht unter indischem Druck die Eingabe bei der UNO zurückgezogen haben, so ist zu hoffen, daß die UNO von sich aus den Fall aufgreifen wird. Schließlich ist hier einer Staaten überfallen worden, von denen Lord Listowel – damals Unterstaatssekretär für Indien – bei der Debatte über die Unabhängigkeitserklärung sagte: "Es steht ihnen vollkommen frei, zu wählen, ob sie sich einem der beiden Dominien anschließen oder ob sie selbständig bleiben wollen." Indien hatte also keinerlei Rechtsanspruch auf den Anschluß Halderabads, den es einzig und allein deswegen verlangte, weil es meinte nicht dulden zu können, daß in seiner Mitte ein selbständiger mohammedanischer Staat die Einheit der Indischen Union störe. Dff