Hjalmar Schacht ist ein vielumstrittener Mann. Auch von ihm läßt sich sagen: "Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." Wichtiger jedoch als das erbitterte Für und Wider ist die Tatsache, daß Schacht ein Geschichtszeuge und also eine Geschichtsquelle von hoher Bedeutung ist. Es gibt nicht mehr viele Überlebende, die vor und nach 1933 wichtigste Vorgänge derart "von innen" gekannt haben, wie der ehemalige Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister. Schacht hat etwas zu sagen, was außer ihm kaum einer sagen könnte; darauf kommt es an, ohne jede Rücksicht auf Haß oder Gunst. Noch immer ist Deutschland nicht. "fertiggeworden" mit den unseligen zwölf Jahren des Nationalsozialismus. Noch immer sind viele Zusammenhänge unklar, viele Urteile verworren. Hjalmar Schachts in der Gefangenschaft geschriebenes Buch "Abrechnung mit Hitler" entbindet uns nicht von der Aufgabe, fertig zu werden, sichtend und wertend selbst abzurechnen mit dem Gewesenen. Aber als ein wesentliches Zeugnis zur Zeitgeschichte kann dieses Buch uns dazu verhelfen, daß wir klarer als bisher Stellung beziehen. "Die Zeit" hat wiederholt, die Gründung eines Instituts zur Erforschung des Nationalsozialismus gefordert, weil es darauf ankommt, daß die Wahrheit nicht verwischt und die Schuld nicht verdrängt wird. Dem gleichen Willen zur Klärung entspricht unser Vorabdruck einiger Kapitel von Schachts Werk, das demnächst im Rowohlt-Verlag erscheinen wird. "Die Zeit" bietet ihn ihren Lesern nicht als Sensation und nicht als eine "Kampagne für Schacht", sondern als ein Dokument, das die deutsche Öffentlichkeit kennen muß. Wir beginnen mit dem Kapitel, in dem Schacht die düsterste Figur der Nazizeit deutet: Adolf Hitler.