Beinahe hatte es den Anschein, als ob die Besatzungsbehörden das westdeutsche Braugewerbe, das 50 000 Arbeitskräfte beschäftigt und eine erhebliche Steuerquelle sein könne, langsam dem Ruin zuführen würden. Rekonstruieren wir einmal den bisherigen Bierfluß: Die Nahrungsmittelkrise erzwang nach dem Kriege die Herstellung von Ersatzgetränken aus Moke, Hopfen und Süßstoff. Im April wurde nach der Besserung der Weltgetreideversorgung das Sudverbot aufgehoben und die Herstellung eines Leichtbiers mit einem Stammwürzegehalt von 1,7 v. H. (0,5 v. H. Alkohol) gestattet. Man hatte sich jedoch gewaltig geirrt, wenn man annahm, auf diesem Wege die Existenzfrage der westdeutschen Brauindustrie zu lösen. Die Verbraucher lehnten – zumal nach der Währungsreform – dieses Leichtbier radikal ab.

Die Lage wurde immer: verworrener. Der Ausstoß der Brauereien beläuft sich nur noch auf 5 bis 10 v. II. des Ausstoßes vom Vorjahre – der kaum die Hälfte aus normalen Zeiten betrug. Interessierte deutsche Stellen sahen diese Entwick- eir lung voraus und baten schon vor Monaten die Militärregierung um die Genehmigung eines guten Biers mit 8 v. H. Stammwürzegehalt, zunächst erfolglos. Als der bisherige Einwand gegen die Verarbeitung von Gerste zu Bier, die Beeinträchtigung der Brotversorgung, gegenstandslos geworden war, griffen die bierfreudigen Bayern zur Selbsthilfe: Sie schenkten eines Tages einlach gutes Bier zu 8 v. H. aus, indem sie die 300 000 Hektoliter vom Verderb bedrohten Dünnbier Vorräte "umbrauten". Es ist verständlich, daß in Bayern die Bierhähne seit diesem Tage nur noch auf "offen" standen..."

In Frankfurt mußte die Verwaltung für Ernährung pflichtgemäß feststellen, daß ein solches Tun verboten sei! Vielleicht war aber diese bayerische Bierinitiative den Militärgouverneuren der Anlaß, nunmehr ihre Unterschrift für die Genehmigung zur Herstellung des Vollbiers zu geben. Womit – wenn die Frage der Biersteuer noch erträglich geregelt wird – der Bierfluß geklärt sein dürfte. –zke.