Christian Wegner in Hamburg hat den Erstlingsroman von Karl Gideon Gössele erscheinen lassen: Es ist die Geschichte eines Kindes, das in den Jahren um die Jahrhundertwende zum Knaben und Jüngling heranreift und berufen ist, die Grenzen der Alltäglichkeit zu sprengen. Dieser Knabe Josua, so genannt nach dem Propheten, der das auserwählte Volk in "das gelobte Land" führen darf (so auch der Titel des Romans), weist mit seinem Ringen um die Freiheit, die schließlich doch im zuchtvollen Sichbescheiden liegt, den Weg, auf dem jeder sein gelobtes Land betreten kann.

Gössele, ein Schwabe, ist mehr als vierzig Jahre alt. Er hat an Lebenserfahrung und Lebensweisheit vieles in sich aufgenommen, ehe er zur Feder greift. Und so ist sein Roman aus der Sphäre des reinen Miterlebens hinausgehoben in die des Bekenntnisses, das bilden und erziehen will. Die Handlung erschöpft sich dabei nicht in epischer Breite, sondern wird durch spannendes Geschehen humorvolle Schilderung und echte Menschlichkeit getragen. Dies dankt man dem Autor von Herzen, heute, da so ausschließlich die Materie regiert. Wie weit sein Roman den Durchschnitt hinter sich läßt, beweist auch die Sprache, die als hochempfindliches Instrument gemeistert wird, als ein Instrument, auf. dem Melodien in zarten und derben Tönen klingen. Und dieses Klingen, es bleibt dem Leser im Ohr, so daß er vergißt, wie manchmal der Autor im überreichen Fließen der Gedanken allzu hoch nach den Sternen griff. H. Schlüter