Erzählung von Adolf Nowakowski

Der durchschwitzte Hut vor ihm machte ihn böse. Dieses weiße Zickzack auf dem Hutband und der breite Mann darunter, mitschaur kelnd im Gedränge, wenn die Straßenbahn in die Kurven ging, riß Ulrichs Abneigung wach: Der Geruch eines fremden Körpers,, das Inkognito eines Rückens, eines Vordermannes.

An einer Haltestelle, als der Wagen sich näherte, wandte der Mann sich um, sah Ulrich ins Gesicht. Und mit Erschrecken wußte Ulrich jetzt, wer dieser Mann war, erkannte er den Menschenschinder wieder, den Unteroffizier, den Ausbilder, den sie Plumplum genannt hatten.

Häßlich, wenn solche Erinnerungen nachgerufen werden und andere, schlimmere, und dabei daran denken zu müssen, daß so viele brave Kerle haben sterben müssen, und daß so ein Mensch am Leben bleiben durfte, ein Geschenk behalten und genießen durfte – –

– – auf einem Bahnhof in Rußland, der Transport hielt; gegenüber auf dem Gleis Viehwagen mit Kriegsgefangenen, Gesichter hinter Luken, die durch Stacheldraht gesichert waren, verhungerte Gesichter, und da zogst du Hurensohn eine große Wurst aus deinem Rucksack, tatest, als ob du sie mit ihnen teilen wolltest und fraßest, Schwein, fraßest die Wurst allein vor diesen demütigen Augen auf – –

Der Mann sah Ulrich forschend an. "Sind Sie nicht Herr – – Herr – –" sagte er und sein Gesicht nahm Züge an, die Ulrich an den ehemaligen Unteroffizier erinnerten "– – Herr Oberleutnant Schneewind?"

"Sie müssen sich irren", entgegnete Ulrich, angewidert von dieser Begegnung, von diesem Manne, der da jetzt vor ihm stand, als nähme er die Knochen zusammen, "ich war nie Oberleutnant."