Der javanische Kommunist Musso hat bei dem Versuch, jeden Zusammenhang des Aufstandes im Gebiet von Madiun mit der Moskauer Zentrale abzustreiten, keinen leichten Stand. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Was in Ostjava abrollt, entspricht nur allzu genau einem Schema, das nicht erst seit Prag in Europa bekannt ist, sondern mit der ganzen Monotonie totalitärer Phantasielosigkeit alle kommunistischen Machtergreifungen kennzeichnet. Alle bekannten Etappen sind da. Zunächst einmal das Erscheinen eines in Moskau langjährig geschulten Fachmanns, der in Gestalt des Kommunistenführers Musso vor einigen Wochen in Java eintraf. Er verfuhr genau nach Rezept. Zunächst gab es den bewährten Versuch, die übrigen linksstehenden Parteien auf dem Weg der "Verschmelzung" in die kommunistischen Kaders aufzunehmen: Ende August vereinigten sich die javanische Arbeiterpartei, die Unabhängige Arbeiterpartei und die Sozialistische Partei Sjarifuddins mit der Kommunistischen Partei-Hierbei stellte sich heraus, daß auch die in Moskau so beliebte Rolle des Trojanischen Pferdes bereits besetzt ist, denn der bis dahin als ehemaliger Ministerpräsident der Indonesischen Republik durchaus unverdächtige Sjarifuddin enthüllte bei dieser Gelegenheit, daß er bereits seit dem Jahr 1935 geheimes Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen ist. Nachdem auf diese Weise die üblichen Voraussetzungen parteipolitischer Art nach dem Muster der "Volksdemokratischen Front" anderer Länder geschaffen waren, ging man nun am 21. September zur direkten und bewaffneten Aktion über.

Den Mittelpunkt der ganzen Aufstandsbewegung bildete zunächst die Stadt Madiun, die mit ihren großen Eisenbahnwerkstätten die wichtigste Basis des gesamten javanischen Bahnverkehrs darstellt. Das Programm, das die unter Musso in Madiun eilig aufgerichtete revolutionäre Regierung verkündete, ist ein getreuer Abklatsch der üblichen Moskauer Verkündigungen. Neben der Nationalisierung der Industrie ist vor allem die im Punkt 5 geforderte Errichtung von "internen Sicherheitskomitees", um die Industrien und die Büros gegen "antinationale Elemente" zu bewachen, sehr bezeichnend, desgleichen die geforderte Bewaffnung von Arbeitern und "armen Farmern" zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit.

Die Gegenaktion der republikanischen Regierung in Djokjakarta hat begonnen. Ostjava ist unter Belagerungszustand und zum "militärischen Sondergebiet" erklärt worden. Staatspräsident Soekarno erhielt eine Sondervollmacht für drei Monate zur Niederwerfung des kommunistischen Aufstandes. Einstweilen ist die Regierung von Djokja peinlich bemüht, dieses Unternehmen ohne holländische Unterstützung zu bewältigen. Daher hat sie die angebotene Unterstützung des holländischen Oberkommandierenden auf Java abgelehnt. Die Holländer sind zunächst skeptisch. Die Zuverlässigkeit der republikanischen Einheiten wird im Hinblick auf ihre starke kommunistische Durchsetzung offenbar nicht allzu hoch beurteilt. Die Kämpfe, die bisher stattfanden, führten zunächst zur Einnahme von Djombang durch die Regierungstruppen, dagegen zum Verlust von Ngawi, das – wie das gleichfalls umstrittene Wonogiri – in kommunistische Hand fiel. Die Kommunisten mußten Surakarta und Sukoardjo räumen. v. Dz.