Erstaufführung der Bremer Kammerspiele

In den Randbemerkungen zu dieser deutschen Erstaufführung wird die berechtigte Frage aufgeworfen, ob man an ein vorwiegend komödiantisches Stück mit ernsthaften Gedanken herantreten soll. Wir bejahen mit dem Autor diesen Satz, wenn – ja, wenn Robert Boissy eine Komödie geschrieben hätte ...

Es mag dies der Fall sein; was uns aber Paul Helwig als Bearbeitung serviert, grenzt an eine Zumutung. Mit schlafwandlerischer Sicherheit verwandelte er das Graziöse des Scherzes in Klotzigkeit, die Brillanz des Dialoges in schleppende Langweiligkeit und den französischen Witz (es gibt geistvolleren) in stumpfen "Humor". Gewiß: Ein Nichts in Seidenpapier. Doch die Bremer Kammerspiele, die in dem Reinhardt-Schüler Ernst Karchow den fähigsten Regisseur der letzten drei Jahre gewannen (als Hausherr muß er sich noch beweisen), reichten nur noch eine nackte Seidenschleife: nämlich Justus Ott als vertrottelten Provisor, der in seinem muffigen Spießbürgerladen die Verwandlung der Vernunft in Liebe (laut Programmzettel) zu erleben hat, Jupiter als unbekannter Bandit (Heinz von Meve versuchte sich in dieser Rolle) ist eine echt romanische Figur. Ihm glauben wir, daß das "Spiel an sich" ein wesentlicher Faktor des westlichen Theaters ist.

Das Premierenpublikum, das kürzlich auf dieser Spielzeugschachtelbühne eine hervorragende Lope-de-Vega-Inszenierung Ernst Karchows sah, applaudierte ein wenig schockiert.