Anläßlich der "Kieler Woche 1948" zog Oberbürgermeister Gayk vor deutschen und ausländischen Gästen und der Bevölkerung seiner Stadt die stolze Bilanz des bisherigen wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbaues. Kiel kann davon berichten, daß es bei der Trümmerbeseitigung in der Reihe der deutschen Großstädte an erster Stelle steht: Von fünf Millionen Kubikmeter Schutt konnte schon ein Drittel weggeräumt werden! Und im Zuge des Aufbaues wurden bis jetzt 14 000 Wohnungen instandgesetzt, 40.000 Kubikmeter neuen Wohnraumes gebaut und ferner Wohnräume für rund 4500 Flüchtlinge geschaffen. Zu den wirtschaftlichen Erfolgen gehört auch die Gründung der Maschinenbau AG. Kiel als Nachfolgebetrieb der zu demontierenden Holmag.

Einen weiteren verheißungsvollen Schritt von der versunkenen Reichskriegshafen-Tradition zu neuem Leben bedeutet die Schaffung des Kieler Fischereihafens auf dem Gelände der ehemaligen Kolbe-Werft an der Schwentine-Mündung. In zäher, ununterbrochener Arbeit entstehen aus den gebombten Gebäuden die Markthalle in unmittelbarer Nähe der 600 Meter langen Kaimauer, eine Halle für Fischgroßhandel, das Verwaltungsgebäude, ein Fabrikgebäude für die Fischindustrie, das Eiswerk, die Schaltstation und ein Gebäudekomplex für Werkstätten, Lager und Reedereibüros. Die umfangreichen Bauarbeiten sind zu einem gewissen Abschluß gekommen, und daher konnte nun der neue und moderne Fischereihafen seiner Bestimmung übergeben werden. Er untersteht der Verwaltung der "Kieler Seefischmarkt GmbH.", die mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein und der Stadt Kiel ins Leben gerufen wurde.

Mit der Inbetriebnahme des neuen Fischereihafens wird Kiel als vierte deutsche Stadt in die Reihe der deutschen Hochseefischmärkte aufgenommen und die bisherigen Hochseefischmärkte Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg-Altona an der Ostsee wertvoll ergänzen. Zunächst werden die neuen Anlagen von der Flotte der Fischkutter (230 Motor-Kutter und 108 Kutter ohne Motor) benutzt werden, bis im Frühjahr des kommenden Jahres auch die ersten der Kiel zustehenden zwölf Neubau-Fischdampfer oder "Hochseefischerei KG." ihre Anlandungen im neuen Fischereihafen löschen werden und damit dem Kieler Fischmarkt eine breitere wirtschaftliche Grundlage geben dürften.

Ein Rückblick auf die bisherige Entwicklung der Hochseefischerei in Kiel läßt die berechtigte Hoffnung zu, daß die günstigen Ergebnisse auch für die Zukunft anhalten werden. Beliefen sich die Anlandungen im Jahre 1938 in Kiel auf 1641 t, so waren sie im Jahre 1947 auf 5865 t gestiegen. Und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres machten die Anlandungen schon 6056 t aus, überschritten also bereits die Ergebnisse des Vorjahres. Diese erhebliche Steigerung hängt zum großen Teil mit der Zuwanderung von Ostfisthern zusammen. Von den 843 Fischern der Kieler Förde sind nur 315 eingesessene Schleswig-Holsteiner. Willy Wenzke