Der sehr starke Andrang der Aussteller und Wiederverkäufer zur Kölner Herbstmesse, der ersten "Westmesse" nach der Währungsreform, zeigte das Bestreben der Fabrikanten (die man gern noch zahlreicher, vertreten sähe) und der Großhändler, die Beziehungen zu ihren Kunden zu vertiefen oder neu zu knüpfen und "sich zu zeigen", sowie andererseits den großen Warenhunger, der auf entscheidenden Gebieten noch nicht zu stillen ist. Die Zahl der Aussteller war auf 800 (im Frühjahr 650) gestiegen; ungefähr 680 Firmen sind in der britischen Zone beheimatet, 80 in der amerikanischen und 30 in der französischen. Die Ostzone war nur wenig vertreten. Die Messeleitung mußte an dem Provisorium der Zweiteilung der Messe (Textilmesse vom 19. bis 21. September und Messe für Haus- und Wohnbedarf vom 26. bis 29. September) festhalten, um so die zu kleine Ausstellungsfläche (von etwa 11 000 qm) verdoppeln zu können. Dieser Zustand kann aber nicht beibehalten werden, wenn die Kölner Messe ihre Aufgaben erfüllen will.

An dem ersten Messetag, an dem etwa 18 000 Eintrittskarten ausgegeben worden waren, hatten viele Firmen bereits am Vormittag ihr Messekontingent in Textilien verkauft; Bestellungen bedingten längere Lieferfristen. Die Kollektivausstellung des Wuppertaler Textilgebietes hat sich nach der Auffassung der fünfzehn beteiligten Firmen der Herren- und Knabenkonfektion, die ja die wichtigen Produktionsstätten Stettin und Breslau verloren hat, und nach der Meinung der Kundschaft bewährt. Die ausgestellten Fabrikate zeigten hohe Qualität. Die Preisfrage wurde naturgemäß lebhaft erörtert.

Nicht so dringend war die Nachfrage in den anderen, aus raumbedingten Gründen der Textilmesse angeschlossenen Gruppen Leder- und Galanteriewaren, Schmuck, Kunstgewerbe, Kosmetik, chemisch-pharmazeutische und chemischtechnische Erzeugnisse. Es kam zu umfangreichen Abschlüssen. Ähnlich war die Lage auf der Messe für Haus- und Wohnbedarf, die am ersten Tage über 20 000 Besucher verzeichnen konnte. Hier prägte sich der Messecharakter deswegen stärker aus, weil die Nachfrage nach den einzelnen qualitativ wesentlich verbesserten Erzeugnissen für den Wohn-, Küchen- und Hausbedarf leichter befriedigt werden konnte, als auf dem Textilgebiet. Allerdings mußten auch dort vielfach lange Lieferfristen in Kauf genommen werden, z. B. bei Herden und Öfen bis zu 8 Monaten.

Während die Thüringer "Sonderschau" und das "Sächsische Industriekontor diesmal nicht erschienen, war die Leipziger Rauchwarenindustrie vertreten. Die Niederländische Handelskammer für Deutschland zeigte hochwertige Gartenbauerzeugnisse, die Belgisch-Luxemburgisch-Deutsche Handelskammer setzte sich durch Schaubilder, Statistiken und Gedankenaustausch für die Wiederanbahnung des früher so intensiven Warenaustausches mit Deutschland ein. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. J. Sch.