Der folgende Artikel war bereits geschrieben, ehe die neuen Preisforderungen der Verwaltung für Ernährung und Landwirtschaft bekanntgegeben wurden. Sie sehen eine Erhöhung der Rinderpreise um etwa 50 v. H. vor, während die Preise für Schweine um 37 v. H, für Futtergetreide um gut 15 und für Brotgetreide um 25 bis 30 v. H. heraufgesetzt werden sollen. Die hier geübte Kritik an den verzerrten Preisrelationen bleibt also weitgehend zu Recht bestehen.

Es ist eine bisher kaum beachtete Tatsache, daß die beiden Nationen, die durch ihre Arbeitsleistung hervorragten, Deutschland und USA, auch den weitaus höchsten Schweinefleischverbrauch hatten. Vor dem Kriege wurde im Altreich für 2,8 Personen jährlich ein Schwein geschlachtet, in USA für 3,0 Personen. Frankreich folgte in weitem Abstand (6,0 Personen). – Die Arbeitsleistungen bei uns haben sich in den letzten Monaten mit der besseren Ernährung gehoben, sind aber nach wie vor von denen des Friedens weit entfernt. Soll die deutsche Bevölkerung ihre alte hohe Arbeitsfähigkeit wiedererlangen, so muß dem Schwein seine bisherige Schlüsselstellung in der Ernährung wiedergegeben werden. Es lieferte 65 v. H. des Fleisch- und 33 v. H. des Fettverbrauchs. Heute kennt der städtische Arbeiter Schweinefleisch und Speck nur noch vom Hörensagen.

Mensch und Schrein haben bekanntlich einen ähnlichen Küchenzettel. Neun Jahre lang war die Preispolitik (und waren alle sonstigen Lenkungsmaßnahmen) darauf abgestellt, den des Schweins zu beschneiden, um die bekannten Umwandlungsverluste zu vermeiden. Es scheint der Augenblick gekommen, einen Wandel herbeizuführen.

Die Futtergrundlage für die Schweinemast ist in den USA der Mais, in Deutschland sind es Kartoffeln und Getreide. Die diesjährige. Maisernte übertrifft alle Erwartungen. 25,6 dz wurden je ha geerntet gegenüber 17,5 dz im fahre 1947 und 19,6 dz im Durchschnitt der Jahre 1938/47. Noch vor einigen Jahren hätte man eine solche Ertragssteigerung ins Reich der Utopie verwiesen. Sie zeigt, in welchem Umfang die USA-Landwirtschaft sich inzwischen intensiviert hat: eine Erscheinung, die in den anderen Überseeländern nicht zu beobachten ist. Schon heute macht man sich Sorge, wie man den Erntesegen an die Küste schaffen soll. Nordamerikanischer Mais, den man im Frieden auf dem Weltmarkt kaum kannte, wird in großem Umfang neben den La Plata-Herkünften dort erscheinen. Die halbe argentinische Ernte (3 Mill. t) ist noch unverkauft. Almosen werden erfahrungsgemäß am willigsten in den Produkten gegeben, die zuviel vorhanden sind. Man darf daher annehmen, daß die Doppelzone im laufenden Erntejahr ein Vielfaches von dem an Futtergetreide erhalten wird, wie der Marshall-Plan vorsieht (300 000 t) und wie die Frankfurter Verwaltung bisher angekündigt hat (250 000 t).

Die Kartoffelernte der Bizone übersteigt den Speisebedarf. Sorten mit mäßigen Speiseeigenschaften sind nur zu einem Drittel des amtlichen Höchstpreises abzusetzen (1,50 je Ztr.), sind also praktisch unverkäuflich. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den Zwangspreisen des Getreides. Ihre Entwicklung charakterisiert folgende Tabelle:

Auch der Schweinepreis ist heute fast der gleiche wie 1933. Nur Butter und Milch machen eine Ausnahme. Ihr Zwangspreis ist mehr als doppelt so hoch wie im Frieden.

Würden die Landwirte aus diesen merkwürdigen amtlichen Preisverzerrungen die Konsequenz ziehen, so müßten sich Deutschlands Äcker – abgesehen von Gemüsegürteln um die Großstädte – in Grünland verwandeln: der Morgenthau-Plan wäre Wirklichkeit.