Ave Imperator, morituri te salutant"‚ "Heil dir Kaiser, die dem Tode Geweihten grüßen dich" – dieser Gruß der römischen Gladiatoren an Kaiser Claudius, später auch als Gruß der verfolgten Christen an Nero gebraucht, gab dem CCC-Film (Berlin) "Morituri" das beziehungsvolle Leitwort. Er wurde auf der Biennale in Venedig vor kurzem uraufgeführt und ist jetzt in Hamburg (Waterloo-Theater) zu sehen. Es ist, wie das große künstlerische Vorbild des Schweizer Films "Die große Chance", ein Film für Völkerverständigung, für Friede, für Freiheit. Deutsche selbst sind es diesmal, die den Leidensweg der Verfolgten – fliehende KZ-Häftlinge und Partisanen in polnischen Wäldern, Deutsche, Polen, Juden, Franzosen, Engländer – zu einer schonungslosen Anklage gestalteten, zu einer Anklage, die auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zielt und menschlich groß und sauber für eine bessere Welt aufruft.

Der Film ist gleichermaßen von dramatischer Wucht und stiller Frömmigkeit und setzt künstlerisch hervorragende Mittel ein. Wenn er auch manchmal neben zarter Innerlichkeit mit Trivalitäten versucht gegen Härte und Grauen allzu billige Gegengewichte zu stellen. Drehbuch, Regie (Eugen York) und Darsteller geben dem Werk Profil.

Es ist ein Film, der als Mittel zur readucation dient, und das ist leider kein gutes Wort. Aber niemand darf es sich leicht machen und Verantwortung ablehnen. Und deshalb sollte es besser diese Stimmen nicht geben, wie sie nach der Vorstellung am Ausgang zu hören waren "Den sollten sie in Nazi-Lagern zeigen", "ganz schön, aber immer diese Tendenz", "ich gehöre nicht dazu..." Dieser Film ist eine ernste Warnung, die jeden angeht. Erika Müller