Die Westmächte haben die direkten Verhandlungen mit Moskau über die Berliner Frage eingestellt und den Fall dem Weltsicherheitsrat überwiesen. Sie entschlossen sich zu diesem Schritt, weil sie zu der Überzeugung gelangten, daß die Sowjetunion nicht gewillt ist, unter annehmbaren Bedingungen die Blockade von Berlin aufzuheben. Die sowjetischen Vorschläge liefen praktisch darauf hinaus, Berlin ganz unter ihre Kontrolle zu stellen.

In einer Rede vor der Vollversammlung der UNO griff der sowjetische stellvertretende Außenminister Wischinsky mit sehr – scharfen Worten die Westmächte an. Er schlug die Abschaffung der Atombombe und eine Verminderung der Kriegsausgaben vor, vermied es jedoch, sich zu der Kontrolle der Atomenergie und der Rüstung zu äußern.

Rußland treffe die Schuld, wenn die "schwarze Furie, das unabsehbare Unglück des Atomkrieges" über die Welt hereinbreche, erklärte Außenminister Bevin vor der UNO-Vollversammlung. Er deutete an, daß England bereits das Ende der Vereinten Nationen herannahen sähe, falls, der Ost-West-Konflikt nicht beigelegt werden könne. "Wir können nicht auf einer Weltbasis beharren, wir müssen vielmehr eine regionale Basis suchen", schloß er seine Rede.

Zur Überprüfung der Verteidigungspläne Westeuropas traten die Verteidigungsminister Frankreichs, Großbritanniens und der Benelux-Staaten in Paris zu einer Beratung zusammen. An der Sitzung der militärischen Chefs der Westunion nahmen auch amerikanische und kanadische Militärbeobachter teil.

Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Dewey forderte in einer Rede, die Europahilfe der USA solle dazu verwandt werden, einen Westeuropabund ins Leben zu rufen. Er erklärte, daß die Gesamtbevölkerung der westeuropäischen Länder einschließlich Westdeutschlands doppelt so groß sei, wie die der Vereinigten Staaten.

Der Londoner "Observer" bemerkte zu den britischen Verteidigungsplänen, der Atlantik dürfe auf keinen Fall noch einmal zum Schlachtfeld werden. Europa müsse in Zukunft auf dem Kontinent verteidigt werden. Dies bedeute, daß die Länder Westeuropas ihre Verteidigung so organisieren müßten, als seien sie ein Land mit einer gemeinsamen Grenze an der Elbe, die um jeden Preis gehalten werden müsse.

Verteidigungsminister Alexander gab bekannt, daß Großbritannien seine Pläne für die Mobilisierung überprüft habe. Da aus der kollektiven Sicherheit bisher nichts geworden sei, ergebe sich die Notwendigkeit, die Streitkräfte auf der Höhe zu halten, damit sie im Notfalle in die Waagschale geworfen werden könnten.