In seinem Arbeitszimmer hängen die Photographien von Rommel, Model und Kesselring, in seinem Schrank ein Zobelpelz, wie ihn die Sowjetmarschälle zu tragen pflegen. Denn Feldmarschall Lord Montgomery, militärischer. Chef der Westunion, liebt die Erinnerung an beide: an seine ehemaligen Gegner und die Alliierten.

"Sie sind völlig untauglich", so verabschiedete ihn sein Ausbildungsoffizier in Sandhurst. "Sie werden es in der Armee zu nichts bringen." Und obgleich er vierzig Jahre später den Ausbruch des zweiten Weltkrieges als Generalleutnant erlebte, war sein Name damals selbst in der Armee noch kein Begriff. Er schien nicht mehr zu sein als der Typ des disziplinierten Offiziers, sorgsam jeden Befehl seines Vorgesetzten ausführend. Am 19. August 1942 übernahm er die 8. Armee. Die Welt horchte auf. Dann kam El Alamein. Zum ersten Male seit Monaten wurden die boches – wie er die Deutschen stets nannte – zum Stehen gebracht; zum erstenmal erlitten sie eine Niederlage gegen den Westen. "Rommel ist ein tüchtiger trainierter Offizier," meinte noch am Abend der Schlacht Montgomery zu Wendell Willkie, der in seinem Hauptquartier weilte, "aber er hat eine Schwäche. Er wiederholt seine Taktik. Und dadurch werde ich ihn erwischen. Zwei Jahre darauf landet er als Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in der Norman die, von der einst 1066 sein Vorfahre Roger de Montgomery unter William dem Eroberer die Fahrt nach England angetreten hatte.

"Montgomerys Plan war ein Meisterstück", schrieb Eisenhower in seinem Bericht über den Invasionsfeldzug. Ralph Ingersoll in seinem Buch "Top Secret" und andere amerikanische Militärschriftsteller sind nicht der Meinung. Montgomery selbst betont in seinem zweiten Werk, "Normandy to Baltic", vor allem, daß zwischen ihm und Eisenhower keine Spannungen bestanden hätten. Dennoch darf man in diesem Falle wohl einer Äußerung der langjährigen Sekretärin des Alliierten Oberbefehlshabers Glauben schenken, wonach Montgomery ihrem Chef mehr Kopfzerbrechen bereitete als irgend jemand anderes.

Es ist sein irisches Blut, so flüstert man im War Office, wenn von einem seiner eigenwilligen Einfälle die Rede ist. Um in den Tagen vor der Invasion seinen wahren Aufenthalt vor dem deutschen Geheimdienst zu verschleiern, legte er sich ein Double zu. Als er jedoch einmal drei gefangene deutsche Generäle zu Tisch geladen hatte, lief ein Sturm der Entrüstung durch das Unterhaus. Churchill selbst mußte die Wogen glätten. Er tat’s, indem er lakonisch bemerkte, ihm täten nur die Deutschen leid. Denn noch niemals sah jemand den Feldmarschall rauchen oder Alkohol trinken. Ein anderes Mal stand die Uniform des heute 61jährigen auf der Tagesordnung des Parlaments. Ein Abgeordneter ersuchte den Kriegsminister, darauf hinzuwirken, daß Lord Montgomery "Kleider trage wie ein Feldmarschall" und nicht länger in einer Uniform ohne Orden und Rangabzeichen herumliefe, die es in der Dienstvorschrift gar nicht gäbe. Der bissige Earl Winterton warf bei dieser Gelegenheit die Frage auf, wieweit "Monty" überhaupt die einschlägigen Bestimmungen beherrsche.

Nach dem Kriege bereitete er der Labour-Regierung auch politische Sorgen. Man war beunruhigt, als er als Generalstabschef eine politische Rede hielt, die Kritik am Kabinett übte, lächelte gezwungen, als er in Australien unbekümmert erklärte, daß er zusammen mit Stalin gewiß die Probleme der Welt lösen könnte, und war indigniert über seine Rede vor der britisch-französischen Gesellschaft in Paris. "Es ist ihnen nicht unbekannt", sagte er dort wörtlich, "daß es’seit dem Nürnberger Prozeß ein Verbrechen ist, Kriege zu führen, ohne sie zu gewinnen; Die geschlagenen Generäle werden verurteilt und gehängt."

Aber all das liegt am Rande. Montgomery ist Soldat und kein Politiker. Und wenn die englische Presse in diesen Tagen seine neue Berufung mit Vorbehalten kommentiert, so geschieht das zweifellos aus außenpolitischen Gründen. Die kleine hagere Gestalt unter dem schwarzen Barett ist in den USA alles andere als populär. Mögen daher auch die Streitkräfte einer zukünftigen Atlantik-Union einen anderen Generalstabschef erhalten: Die Militärgeschichte wird dem Sohn des Bischofs von Tasmanien den Platz des erfolgreichsten britischen Generals seit Wellington einräumen müssen. C. J.