Es wird gerüstet, um den Krieg zu verhindern. Daß die Staatsmänner der Großmächte ehrlich glauben, einem Kriege aus dem Wege gehen zu können, ist wohl kaum zu bezweifeln. Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, daß Kriege bisher selten ausgeblieben sind, wenn zwei Parteien einander mißtrauten und die eine den Angriff der anderen fürchtete und deswegen rüstete. Die unerwünschten Kriege sind dann, man kann sagen, meist von selbst gekommen. Natürlich, Parallelen aus der Geschichte zu ziehen, ist immer gefährlich gewesen. Immerhin, die Vorbereitungen sind so weit fortgeschritten, daß es nicht uninteressant ist, die Kriegsstärke der einzelnen Mächte zusammenzustellen und zu untersuchen.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatten die Westmächte sofort mit einer radikalen Abrüstung und Demobilisierung begonnen. Sie beschränkten sich auf die Forschung und sahen nur die technischen Probleme, neue Waffen zu entwickeln. Erst nach der persischen Krise im Jahre 1946 fingen sie an, eine neue beschränkte Rüstung zu planen.

Der neue Grundsatz der amerikanischen Luftwaffe lautet seitdem: zahlenmäßige Schwäche der Luftflotte, aber hochmoderne Maschinen. Die Amerikaner besaßen 14 000 Jagdmaschinen während des zweiten Weltkrieges. Für den Fall eines neuen Krieges wollen sie nur 2000 bereitstellen, Diese aber werdet! "Düsenjäger" sein. Die Hauptwaffe der Bombengeschwader soll auch in Zukunft die "B 29" bilden. Das ist die während des zweiten Weltkrieges bewährte "Superfestung", die, verbessert, eine Reichweite mit Bombenladung zwischen 2000 bis 2300 Meilen erreicht. Der B 50-Bomber, ein größerer Typ, erreicht 2500 Meilen, und der B 36, der größte Bonner der Welt, wird wohl einen Aktionsradius von 3000 Meilen haben. England hat sich hauptsächlich in der Produktion auf Düsenjagdflugzeuge eingestellt. Frankreich und die übrigen Länder des Westblocks verfügen über keine nennenswerte Flugzeugindustrie. Zahlenmäßig verfügt die Sowjetunion über die meisten Flugzeuge. 14 000 Maschinen sollen für den Einsatz in der ersten Linie bereitstehen. Obwohl die Sowjets auch über eine geringe Zahl von Superfestungen und über Düsenjäger verfügen, rechnet man damit, daß sie ihre Luftwaffe in der nächsten Zukunft nicht vollkommen mit den modernsten Typen ausstatten können.

Anders steht es mit der Entwicklung der V-Waffen. Die Sowjetunion hat die Versuchsstationen in Peenemünde (fast intakt) in ihre Hände bekommen und auch die meisten deutschen Fachkräfte auf diesem Gebiet. Sie haben ihre Waffe in den letzten, drei Jahren außerordentlich entwickelt, und es herrscht allgemein die Ansicht, daß Moskau im Falle eines Krieges zwischen Ost und West die ferngelenkten Raketen (statt Bomber) für strategische Operationen, also für Luftangriffe über England und Amerika, verwenden würde. Während England in der Entwicklung der V-Waffen nicht weiter als Deutschland im Jahre 1945 gekommen ist, sind die Nachrichten darüber aus den USA sehr unklar. Jedenfalls haben die Amerikaner einige Versuchsstationen eingerichtet. Es scheint aber, daß sie den Fernbombern in einem kommenden Kriege den – Vorzug geben würden.

Es würden sich? also im Falle eines Krieges für die Angriffe auf die Industrie Bomber und V-Waffen gegenüberstehen, Die Annahme, daß die Russen den V-Waffen den Vorzug geben würden, deutet übrigens darauf hin, daß sie die Atombombe nicht besitzen. Die Fachleute des Westens sind nämlich davon überzeugt, daß die vier Tonnen schwere Atombombe noch auf lange Jahre hinaus: nicht in einer V-Waffe geflogen werden kann. Aber auch mit den amerikanischen Langstreckenbombern, die Atombomben fliegen sollen, ist es nicht viel besser bestellt. Zwar haben die Langstreckenbomber den erstaunlich großen Aktionsradius von 3000 Meilen, aber die einfache Entfernung zwischen London und Moskau beträgt schon 1550 Meilen, zwischen Tripolis und Rostow 1750 Meilen, zwischen Alaska und Wladiwostok 3500 Meilen und zwischen Grönland und Swerdlowsk 3500 Meilen. Außerdem haben die letzten Luftmanöver über England gezeigt, daß die Bomber außerordentlich leicht. von Düsenjägern abzuschießen sind.

Allerdings, die Superfestungen mit Atombomben sind schon eine äußerst massive Waffe. Nach den Äußerungen des letzten Oberbefehlshabers der amerikanischen Luftstreitkräfte, General Spaatz, haben die Alliierten für Bomben 200 000 Tonnen "Hochexplosiv" im Kriege gegen Deutschland und 167 000 Tonnen im Kampf gegen Japan gebraucht. Für die Schäden in Hiroshima, die von einer Atombombe verursacht worden waren, hätte man 220 Superfestungen einsetzen müssen. Die 90 Superfestungen in Europa also, wenn sie mit Atombomben beladen werden sollten, würden soviel leisten wie 19 800 Superfestungen mit hochexplosiven Bomben.

Die neuen Atombomben haben zweifellos eine weitaus größere Explosivkraft als die von Hiroshima. Ihre Produktionsmöglichkeiten sind jedoch nicht unbegrenzt. Nach optimistischen amerikanischen Angaben verfügen die USA gegenwärtig über rund 600. Atombomben. Wenn die Russen einmal soweit sind, die Atombombe zu produzieren, werden sie nicht in der Lage sein, den zahlenmäßigen Vorsprung der Amerikaner aufzuholen.