Der Defa-Film „Straßenbekanntschaft“ in Hamburg

Wir wollen endlich etwas vom Leben haben nach Jahren des Krieges, der Not und des Hungers – das ist der Leitgedanke, der das junge Mädchen verführt, sich in die „Welt“ zu stürzen, eine Welt, die vom guten Essen bis zur Geschlechtskrankheit reicht. Ihr bleibt nichts erspart, sie muß ihren Hunger nach Leben mit der scheußlichen Krankheit teuer, bezahlen. Aber ihr bleibt ein Ausweg: das Unglück zu bekennen, die Hohlheit ihres bisherigen Lebens einzusehen und dadurch körperlich und seelisch wieder gesund zu werden.

Dieser pädagogische Defa-Film „Straßenbekanntschaft“, in der Regie von Peter Pewas, will die Jugend vor der drohenden Gefahr der Geschlechtskrankheit eindringlich warnen. Er zeigt die Fragwürdigkeit der Methode auf, durch Razzien – bei denen seltsamerweise nur immer die Frauen aufgegriffen werden – gegen die Gefahr vorzugehen. Er zeigt, daß eine große Behinderung bei der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten die vorzeitige moralische Diffamierung der durch diese Krankheit befallenen Menschen ist. Gewiß, der ausgesprochen pädagogische Zweck bringt manche Übertreibung und Schiefheit in Handlung und Gestaltung. Aber er ist ein erschütterndes. Zeugnis für die zwiespältige Situation der deutschen Nachkriegsjugend. Die Not dieser Nachkriegsjugend ist heute noch nicht überwunden, auch wenn die durch neues Geld schon wieder errichtete Fassade geschäftiger Bürgerlichkeit sie bisweilen verdeckt.

Paul Hühnerfeld-