Verdächtig waren wir alle seit langem. Mehr als je zuvor habe ich im Jahr 1938 in meinen Reden nationalsozialistische Wendungen gebraucht, zu denen insbesondere der Anschluß Österreichs und die übrigen außenpolitischen Erfolge Hitlers Veranlassung gaben. Das ahnungslose Volk jubelte, als der seit zwei Jahrzehnten von den Österreichern immer wieder ausgesprochene Wunsch des Anschlusses an das Reich in Erfüllung ging. Die unerfreulichen Formen, in denen dieser Anschluß gerade jetzt herbeigeführt wurde, wurden über der großen Freude nicht beachtet.

Mordabsichten

Natürlich hat man mir im Nürnberger wie im Stuttgarter Prozeßverfahren die nationalsozialistischen Wendungen in meinen Reden als Belastung vorgehalten. Aber ich mußte durch solche Tarnung unter allen Umständen den Verdacht der Gestapo von mir abzulenken suchen, wenn ich mir die Freiheit des Handelns für die Zukunft nicht verscherzen wollte. Diese Freiheit mir zu bewahren, war dringender nötig denn je. Man kann von einem politischen Verschwörer, der nur in der Heimlichkeit arbeiten kann, nicht – erwarten, daß er sein Vorhaben durch Unvorsichtigkeit oder auch nur durch irgendeine Unterlassung preisgibt.Zu welcher Kurzsichtigkeit sich die Anklage in diesem Punkt erhob, zeigt folgender Dialog im Nürnberger Prozeßverfahren:

Justice Jackson: „Sie versuchten auch, Mörder zu bekommen, um Hitler zu ermorden?“

Schacht: „Ich habe im Jahr 1938, als der erste Versuch von mir gemacht wurde, noch nicht an eine Ermordung Hitlers gedacht. Ich muß allerdings gestehen, daß ich später gesagt habe, wenn es nicht anders geht, müssen wir diesen Mann umbringen, wenn es möglich ist.“

Justice Jackson: „Samen Sie nicht, ich muß ihn töten, oder haben Sie gesagt, jemand anders muß ihn töten?“

Schacht: „Wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, hätte ich ihn umgebracht, ich. Ich bitte, mich aber deswegen nicht wegen Mordversuchs vor ein deutsches Gericht zu bringen, denn ich bin selbstverständlich in diesem Sinne schuldig.“