Um den Nestor der deutschen Nationalökonomie, Adolf Weber, seit langem bekannt als ein Wissenschaftler, der die Theorie, mit der volkswirtschaftlichen Praxis erfolgreich zu verbinden weiß, hat sich ein Kreis in der Praxis stehender Wirtschaftspolitiker gebildet, dessen Gedanken im Richard-Pflaum-Verlag, München, publiziert werden. Dieser ist sozusagen der Hausverlag des Kreises geworden, und es scheint eine glückliche Gemeinschaft zu sein.

Nach der nun dritten Neuauflage von Webers „Neue Weltwirtschaft“ (siehe „Die Zeit“ Nr. 21 vom 20. 5. 48) ist vom gleichen Verfasser auch die aktualisierte Neuausgabe von „Geld, Banken, Börsen“ erschienen. Das Buch hat seine Gefahr ren. Aber da, wo die Gefahr liegt, ist auch seine Stärke In einer Zeit, da Finanzierung und Kredit beinahe Modefragen der Konversation geworden sind, kann der interessierte Laie, für den das Buch geschrieben ist und dem die Anfangsgründe einer volkswirtschaftlichen Betrachtung dieser Probleme geboten werden sollen, sich verleiten lassen, die gedankliche Arbeit des versierten Könners Weber sich schlagwortartig anzueignen; das Werk ist so übersichtlich gegliedert, in einer Sprache frei von abstrakten Wortbildungen geschrieben und von so aktueller Problemstellung, daß man leicht versucht ist, darüber hinwegzulesen, anstatt die Fülle und Tiefe des Gebotenen zu verarbeiten. Hier sind die theoretischen Grundgedanken in Verbindung mit den praktischen Schlußfolgerungen so klar formuliert, daß, einmal „gekonnt“, die Technik um Geld, Kredit, um Banken- und Börsenfragen verstanden ist.

Weber warnt in seinen Schlußfolgerungen, Grundsätze ausländischer Finanz- und Kreditorganisationen nach Deutschland in Bausch und Bogen zu importieren. Nationalisten werden daher herauslesen, daß die deutsche Geldtechnik, als für uns „harmonisch gewachsen“, die allein seligmachende sei. Das hieße aber, Weber falsch zu verstehen. Er gibt kein Gesamturteil, denn er prüft jedes einzelne Problem und urteilt wissenschaftlich-objektiv, ob es zweckmäßig ist, das Eigengewachsene beizubehalten oder andere •Ideen hereinzunehmen. Unsere Politiker jedenfalls, deren Diskussionsniveau auf volkswirtschaftlichem Gebiet sich meist keiner allzu großen Höhe erfreut – daher verstehen sie, ganz abgesehen von parteipolitischer Polemik, Prof. Erhard oftmals nicht – sollten sich mit diesen von Weber aufgezeigten Problemen befassen.

Bei Pflaum erscheint ferner die Schriftenreihe „Bayerns Wirtschaft“, in der die Diskussionen der Volkswirtschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Bayern, die in Adolf Weber ihren geistigen Vater hatten, aufgezeigt werden. Aus diesem: Arbeitskreis sind verschiedene erfreuliche Vorschläge gemacht worden, angefangen von der wohl ersten Denkschrift zur Geldneuordnung von Mai und Juli 1945 (die damals das Fürther Ausschußmitglied, Prof. Dr. Erhard, nach Frankfurt zu Eisenhower brachte) bis zur Absatzfinanzierung für langlebige wichtige Konsumgüter hoher Preislagen.

Webers früherer Assistent, Alfred Kruse, bietet im gleichen Verlag mit seiner „Geschichte der volkswirtschaftlichen Theorien“ mehr auf den Studenten zugeschnittene, abstrakte Wissenschaft. Obwohl hier der Hauptwelt auf Logik und Historie gelegt ist, fehlt es jedoch nicht an Hinweisen auf die praktischen Auswirkungen. Und das ist immer wohltuend. W–n.