Die Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf beginnt. eine Schriftenreihe, in die wissenschaftlich wertvolle, dem Wiederaufbau sowie der Entwicklung der Wirtschaft des Kammerbezirks gewidmete Beiträge aufgenommen werden sollen, mit einer Arbeit über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Die Unterjochung (bearbeitet von Dr. Helmrich) darf das Interesse einer größeren Öffentlichkeit beanspruchen. Denn bisher wurde in der Nachkriegszeit aus dem stark zerstörten Rhein-Ruhrgebiet noch keine derartige Großstadt-Analyse veröffentlicht; sie läßt nicht nur eine eingehende Vertrautheit mit der schnellen und bunten Entwicklung Düsseldorfs erkennen, sondern spürt mich den Triebkräften nach, die das Gesicht der Stadt und den Typ der Bewohner formten und Beute weiterwirken. Wer sie erfüllt und ihre Entfaltung unterstützt, kann auf den Erfolg seiner Bemühungen hoffen.

In Düsseldorf, das um das Jahr 1800 noch keine 20 000 Einwohner hatte, wurden im November 1947 wieder ungefähr 81 H. der Bewohner von 1939 (damals 535 000) gezählt. Es War nie eine Beamtenstadt und will auch jetzt keine werden; eher galt es als eine Verwaltungsstadt der Wirtschaft mit einer breiten Schicht „guter Verdiener“. Die günstige Lage am Rhein, ungeahnte Entwicklung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes und die Entfaltung einer eigenen bedeutenden Industrie, eines vielseitigen Handwerks und eines rührigen Handels machten aus dem „Dorf an der Düssel“ die Großstadt von Klang und Namen.Wie sehr die Kunst und das kulturelle Leben von einer verständnisvollen Wirtschaft und Verwaltung sowie von einer aufgeschlossenen und heiteren Bevölkerung gefördert und getragen werden kann, hat Düsseldorf in Vergangenheit und Gegenwart bewiesen. Die Wirtschaft handelt nach dem Motto, auf ihre Vergangenheit stolz zu sein, aber nicht von ihr zu leben.

Die durch den Krieg zu etwa 50 v. H. zerstörte Stadt hat unter den Folgen der Demontage, der Entkartellisierungen und der Konzernentflechtungen ganz besonders zu leiden. Aber ihre wirtschaftliche Struktur erlitt keine entscheidende Veränderung. Die Erfolge der Aufräumungstätigkeit der kommunalen Verwaltung sind bemerkenswert. Neben den Wiederaufbauarbeiten der ansässigen Firmen wurden im Düsseldorfer Kammerbezirk in der Zeit von 1945 bis Ende 1947 insgesamt 165 Betriebe mit 3165 Beschäftigten (Mitte 1947) angesiedelt und neu errichtet. Beste Erfahrungen machte man mit den Sudetendeutschen und Schlesiern, die als fleißige, bescheidene und zuverlässige Könner sowie als zähe und ausdauernde Unternehmer gelobt werden. Vor allem wurde und wird der Zuzug von solchen Betrieben unterstützt, die eine Ergänzung der heimischen Industrie darstellen und in der Lage sind, einen Teil der zusätzlichen weiblichen Arbeitskräfte (etwa 30 000) zu beschäftigen und unter normalen Wettbewerbsverhältnissen das Standortklima der Großstadt mit ihrem besonders für Düsseldorf typischen hohen Lohnniveau zu vertragen. Auch die Filmindustrie will sich in Düsseldorf niederlassen, wobei die künstlerischen Vorbedingungen mitbestimmend sind.

Trotz aller Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, ist die Kammer für die weitere Entwicklung der jungen Landeshauptstadt zuversichtlich und glaubt, daß die gestellte Aufgabe vor allem dann zu lösen ist „wenn sie, wie in früheren Jahrzehnten, in engem fruchtbarem Kontakt und Wechselspiel von Wirtschaft und Verwaltung aufgegriffen wird.“ J. Sch.