In den zwanziger Jahren erfolgte in einigen Bezirken von USA und Kanada ein epedemieartiges Sterben von Haustieren. Aus kleinsten Verletzungen und Operationswunden, wie beispielsweise nach der Kastration und nach dem Abstoßen von Hörnern verbluteten die Tiere. Bei näherer Untersuchung dieser Fälle wurde festgestellt, daß das Blut dieser Tiere nach der Verletzung nicht zum Gerinnen kam und die Wunden sich daher nicht schlossen. Im weiteren Verlaufe der Untersuchungen dieses sonderbaren Befundes zeigte es sich, daß nur solche Tiere erkrankten, die auf .Weiden mit sogenanntem Süßklee, einem beliebten Tierfutter, grasten. An diesem Süßklee wurden Schimmelpilze entdeckt, die aus einem sonst harmlosen chemischen Bestandteil der Pflanze einen Stoff bildeten, der das Blut der Tiere so veränderte, daß es nicht mehr wie normal bei Verletzungen der Gefäße zur Gerinnung kam. Diesen reinen Zufallsbefund griff die Wissenschaft auf, um zu versuchen, aus ihr für die ärztliche Behandlung bei Menschen Nutzen zu ziehen.

Das Schreckgespenst der Chirurgie ist von altersher die Gefahr der Trombose nach der Operation und in ihrem Gefolge die zumeist tödlich wirkende Embolie. Nach jeder Operation muß es natürlicherweise zu einer Gerinnung an den gesetzten Wunden kommen, um ein Verbluten zu verhindern. Jede Operation stellt für den Körper einen Schock, das heißt: eine gewaltsame Einwirkung dar, die sich bei vielen Menschen darin äußert, daß das Blut eine zu starke Gerinnungsfähigkeit bekommt. Praktisch gesehen kann dies zur Folge haben, daß sich in irgendwelchen Gefäßen des Körpers, meist erweiterten und kranken Gefäßen wie Krampfadern, Blutklumpen bilden, die häufig mit der Gefäßwand verkleben und eine normale Durchblutung verhindern. Dieser Zustand heißt in der ärztlichen Wissenschaft Trombose. Löst sich dieser Blutklumpen von der Gefäßwand, so gelangt er wie ein Fremdkörper in den Blutkreislauf und kann nun ein lebenswichtiges Organ wie die Lunge oder das Herz verstopfen, was den sofortigen Tod zur Folge haben kann. Dieses für den Körper im wahrsten Sinne dramatische Ereignis nennt man Embolie.

Bei dem Zufallsbefund des Verblutungstodes der Tiere beim Genuß von mit Schimmelpilzen behafteten Süßklees tauchte der Gedanke auf, diesen für die Krankheit ursächlichen Stoff zu finden, im Laboratorium herzustellen und beim Menschen zur Verhinderung einer Trombosebildung in irgendeiner Form anzuwenden. Es sind in den europäischen Ländern mancherlei Mittel erfunden worden, die die Bildung von Blutgerinnseln verhindern, 1941 ist in den Vereinigten Staaten nach jahrelangen Versuchen an Tieren die Herstellung eines Mittels gelungen, das auf den Zufallbefund der Süßklee-Schimmelpilze zurückgeht und nun auch bei Menschen angewandt wird. In kleinen Mengen in die Blutbahn gebracht, erreicht es eine Herabsetzung der Gerinnfähigkeit des Blutes. Da die Gerinnung des Blutes nach der Operation an den Wunden selbst notwendig ist, soll bei all diesen Mitteln verhindert, werden, daß sich auch an anderen Stellen als an den Wunden Blutklumpen bilden. Die Erfahrung lehrt, daß diese Schockwirkung in Form einer Trombose gewöhnlich einige Tage nach der Operation auftritt. Aus diesem Grunde werden manche Mittel erst eine bestimmte Zeit nach der Operation angewendet, wenn das Blut an der Wunde selbst! geronnen ist und sich dort bereits Schorf gebildet hat. Da jeder Mensch auf solche Mittel in verschiedener Stärke reagiert, sind häufig Blutuntersuchungen erforderlich, um eine Überdosierung, die zu unerwünschten Blutungen im Körper führen kann, zu verhindern.

Paul Broszie