Demnächst beginnen wir mit der Veröffentlichung einer Artikelfolge, die neue Tatsachen und Gesichtspunkte zum tragischsten Kapitel unserer Geschichte beibringen wird. Ein Totgesagter meldet sich zum Wort. Wir stellen in ihm weder einen Märtyrer noch einen Helden vor, sondern einen Menschen, den das Räderwerk brutaler politischer Gewalten erfaßte und der sein von Gerüchten entstelltes Bild aufzuklären wünscht

Am Abend des 27. Februar 1933 steckten Verbrecherhände das Gebäude des Deutschen Reichstags in Brand, für Hitler der geeignete Anlaß, die berüchtigten ,,Notverordnungen zum Schutz von Volk und Staat“ zu erlassen, die den Untergang der deutschen Freiheit besiegelten. In dem folgenden Hochverratsprozeß zu Leipzig saß neben dem .geistesgestörten Holländer van der Lübbe und dem heutigen Regierungschef seines Landes, dem Bulgaren Dimitroff, auch der Führer der kommunistischen Reichstagsfraktion, Ernst Torgler, auf der Anklagebank. Er mußte, obwohl der Reichsanwalt die Todesstrafe gegen ihn beantragte, freigesprochen werden; allerdings nur, um im Hauptquartier der Gestapo in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße zu verschwinden. Was ist aus Ernst Torgler geworden?

H. B. Gisevius, Gestapobeamter und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, später Zeuge in Nürnberg und Verfasser eines aufsehenerregenden Buchen „Bis zum bitteren Ende“, erzählt das folgende:

„Als Heydrich seinen verhängnisvollen Einzug in Prag hält, da befindet sich in seinem Stab ein Berater zur Betörung der tschechischen Arbeitermassen, die der schwarze Gangster durch höhere Löhne und sozialistische Versprechungen mit seinem Terror aussöhnen möchte. Der Name dieses SS-Führers ist ein paar Tage vorher für seinen gefälschten Paß erfunden worden. Aber wer den Mann sieht, erkennt ihn – Torgler.“

Entspricht diese Geschichte der Wahrheit? Ernst Torgler wird darauf eine Antwort geben.