Das Fischdampfer-Neubauprogramm dürfte wohl eines der schwierigsten. Wiederaufbau-Vorhaben der Nachkriegszeit darstellen. Waren es anfangs die empfindlichen Größenbeschränkungen des AlliiertenKontrollrats, gegen die von deutschen Fachkreisen Sturmgelaufen wurde und die die Aufnahme der Bauarbeiten verzögerten, so sind es jetzt die finanziellen Schwierigkeiten, die einen zügigen Weiterbau der begonnenen Neubauten verhindern. Von den 100 genehmigten Neubauten durften 34 Dampfer 400 BRT haben; sie wurden auf Werften in Hamburg, Lübeck, Flensburg, Bremen, Bremerhaven, Emden und Papenburg auf Kiel gelegt. Die ungeklärte Finanzierung derNeubauten zwang die Mehrzahl der Reeder, nach dem 20. Juni ihre Bauaufträge zu annullieren und neue Verhandlungen mit den Werften über Baupreis und Finanzierung aufzunehmen. Die Kosten eines Fischdampfers von 400 BRT belaufen sich jetzt auf rund 1,1 Mill. DM, während 1938 nur rund 490 000 RM zu zahlen waren. Leider blieben bisher alle offiziellen Schritte ohne Erfolg, da esunmöglich war, langfristige Kredite in der notwendigen Höhe zu bekommen.

Bemühungen um private Abmachungen zwischen Reedern und Werften hatten in einigen Fällen Erfolg. Die Deutsche Werft A.G. Hamburg ist dafür ein besonders gutes Beispiel. Bei ihr trat durch ein freundschaftliches Abkommen mit der Reederei C. Andersen, Hamburg-Altona, überhaupt keine Unterbrechung der Bauarbeiten ein. Das Ergebnis konnte man in den letzten Septembertagen sehen, als der erste nach den engen Kontrollratsvorschriften gebaute Fischdampfer „C. P. Andersen zum Heringsfang auslaufen und das Schwesterschiff „Ursula“ die Heiligen der Deutschen Werft verlassen konnte.

Ähnlich günstig liegen die Verhältnisse nur noch bei der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft, die für die Hochseefischerei K.G. Kiel vier Dampfer zu je 400 BRT in Auftrag hat. Auch hier wird ohne Unterbrechung weitergebaut, da Kiel anscheinend die Frage der Finanzierung glücklich lösen konnte. Mit einzelnen Weiterbauaufträgen befassen sich die Hamburger Howaldt-Werke, die Norderwerft, die Flender-Werft in Lübeck, die Nordsee-Werft in Emden und die Seebeck-Werft in Bremerhaven.

Diese schwierige, für die deutschen Fischanlandungen ungünstige Lage hat nun zu neuen Schritten der maßgebenden Stellen geführt. Die Verwaltung für Wirtschaft ist der Ansicht, daß es den beteiligten Werften freigestellt sein müsse, die annullierten Dampfer für eigene Rechnung weiterzubauen, um sie dem freien Markt zuzuführen. Eine Veräußerung an das Ausland, die bereits in Erwägung gezogen wurden wird abgelehnt. Man will zunächst auf Länderbasis erreichen, Zwischenkredite einzuräumen die später durch langfristige Kredite abgelöst werden sollen. Es verlautet, daß die Landeszentralbanken sich zu entsprechenden Zwischenkrediten bereiterklärt haben.

Eine grundsätzliche Regelung scheint uns nach den bisherigen Erfahrungen noch in weiter Ferne zu liegen. Es wird daher darauf ankommen, daß die interessierten Reeder entsprechende Vereinbarungen mit Kreditgebern und Werften treffen. Datei kann durchaus der Fall eintreten, daß neue Reedereien in die annullierten Aufträge eintreten oder bereits beteiligte Reeder weitere Dampfer übernehmen. Ein solcher Plan soll bereits in Kiel bestehen. Schließlich kommt es nicht darauf an, wer die Dampfer baut, sondern daß sie überhaupt gebaut werden und recht schnell zu Fangreisen auslaufen können! ww.