Tief im Herzen Afrikas, in den Urwäldern und Sümpfen des Belgischen Kongos, liegt die Ursubstanz des Atomzeitalters verborgen. Zwar sind seit dem Bombenabwurf auf Hiroshima am 5. August 1945 in wachsendem Umfang neue Uranvorkommen auch in anderen Teilen Afrikas, in Australien und vor allem in Kanada entdeckt worden, aber die Kongominen mit einer Förderung von 6300 Tonnen Uranerz im Jahre 1946 sind noch immer die ergiebigsten.

Kein Zweifel, daß die britische Regierung, die 1878 das Angebot Stanleys die von ihm entdeckten Kongogebiete käuflich zu erwerben, ablehnte, diesen Entschluß inzwischen bereut. Der unternehmungslustige belgische König war klüger, Leopold II. kaufte das damals völlig wertlos erscheinende, von Hitze und Feuchtigkeit dampfende Urwaldgebiet zu Lasten seiner Privatschatulle. Noch wußte die Welt nichts von den ungeahnten Möglichkeiten, die das unscheinbare Metall – die Pechblende – in sich birgt. Erst 20 Jahre später leuchtet das Radium zum ersten Male auf in einem Pariser Schuppen, dem Laboratorium des Ehepaars Curie. In jener Zeit, da es noch um das Uranium als Rohstoff zur Radiumgewinnung ging, kamen 96 v. H. aus dem Kongo. In den Fabriken von Oolen verarbeitet, stellten es die Belgier unterschiedslos allen Ländern zur Verfügung, die es für therapeutische Zwecke verwenden wollten und in der Lage waren) das teure Metall zu bezahlen-.

Mit dem Anlaufen der Atombombenproduktion änderte sich das Bild von Grund auf. Amerikanische und belgische Ingenieure erweiterten die Uranminen, die Westinghouse Company, eine der größten amerikanischen Elektrizitätsgesellschaften, investierte Millionen von Dollars. Die Vorkommen werden, im Tagebau mit der Spitzhacke abgebaut, das Roherz geht von Elisabethville, dem Förderungszentrum in der Südostecke des Kongogebietes, über Tausende von Kilometern durch den Urwald, Dschungel und Savannen, vorwiegend auf den Wasserläufen des Kongo nach der Hauptstadt Leopoldsville und von da aus an die Küste. Kürzlich wurden bei Karungwe und Kalongwe neue Vorkommen entdeckt, die an Ergiebigkeit die bisherigen noch übertreffen sollen. Belgische Forscher schätzen die im Kongo vorhandenen radioaktiven Erze auf 50–60 v. H. der Weltreserven.

Während des Krieges schloß die belgische Exilregierung in London einen Vertrag, auf Grund dessen sie die gesamten Kongorohstoffe den USA für die alliierte Kriegführung zur Verfügung stellte. Heute ist Belgien bemüht, sich dieser automatischen Lieferungsverpflichtung zu entledigen, um frei über sein wertvolles Uranerz verfügen zu können. H. L. Kaster, Kairo