Zum zweiten Male soll der Gemeinde Benefeld im Kreise Fallingbostel, Lüneburger Heide,das Wasser abgegraben werden. Das erstemal geschah dies durch das Rüstungswerk „Eibia“, Dessen Pulverherstellung erforderte so viel Wasser, daß sich der Grundwasserspiegel gehörig senkte. Als die wenigen Brunnen der Gemeinde nicht mehr ausreichten und als Menschen zuwanderten, wurde vom Rüstungswerk eine Trinkwasseranlage gebaut. Sie mußte gebaut werden, weil der menschliche Wasserbedarf nun einmal zu den Elementarbedürfnissen gehört.

Das Rüstungswerk wird jetzt demontiert. Nicht eine einzige Stimme hat sich gegen diese Demontage erhoben, soll sich auch nicht erheben. Aber ist das Trinkwasser deshalb, weil es von den Pumpen eines Rüstungswerkes gepumpt wurde, gefährlicher als das Wasser eines friedlichen Wasserwerkes? Sicherlich nicht. Trotzdem soll auch die Trinkwasseranlage demontiert werden. Der Grundwasserspiegel hebt sich jedoch nicht kurzfristig. Die alten Brunnen ziehen nicht mehr,neue Brunnen müßten sehr viel tiefer gebohrt werden, was viel zu teuer käme. Es bliebe nur eine Lösung – eine neue Trinkwasseranlage genau der gleichen Art und Leistungsfähigkeit zu kaufen, und einzubauen. Das kann sich aber eine Gemeinde von 2500 Seelen heute nach der Währungsreform nicht leisten.

Man hat sich also mit einem Hilferuf an die zuständigen alliierten Stellen gewandt: Muß die Trinkwasser-Demontage sein? Grundsätzlich hat man auch viel Verständnis für diese Härte gefunden, hat auch, versprochen, eine Denkschrift anzufertigen und an die nächste Instanz weiterzuleiten, Praktisch aber hat man den Benefeldern wenig Hoffnung gemacht. Sozusagen privat wurde ihnen mitgeteilt: Die Demontage, des Trinkwassers müsse zu einem bestimmten Zeitpunkt beendet sein und daher bald anfangen. Ein Aufschub sei nur möglich, wenn der Bénefelder Einspruch über Hannover nach Frankfurt, von Frankfurt nach London, geleitet würde. Die englische Regierung müsse dann bei der Reparationsagentur in Brüssel um die Absetzung der Trinkwasseranlage von der Reparationsliste einkommen. Die Brüsseler Agentur, müsse sich dann mit der französischen Regierung ins Benehmen setzen, da Frankreich die Anlage bereits zugesprochen sei. Wenn sich Frankreich bereit finden würde, auf die Lieferung zu verrichten, so müßte wieder der gleiche Weg über Brüssel, London, Frankfurt, Hannover gewähltwerden. Bis dahin aber, so meinte der keineswegs übelwollende Ratgeber der Benefelder, würde es dann wohl zu spät sein. Aber ist es jemals zur Vernunft zu spät? Ist das Gesetz der Trägheit eine derartige Dampfwalze, daß sie die Vernunft so überfahren kann? Wir können es und wollen es nicht glauben. Zur Vernunft sollte es nie zu spät sein. eg.