Wenn auch seit Monaten immer wieder vonerheblichen Rohtabak-Einfuhren die Rede in und erst kürzlich über ein „Großeinfuhr-Programm“ berichtet wurde, so lassen die bisheriges Erfahrungen für die westfälische Zigarrenindustrie in und um Bünde doch keinen rechten Mut zu einem gesunden Optimismus aufkommen. Die völlig ungenügende Rohtabakversorgung und der bisherige hohe Steuersatz sind noch immer die brennendsten Probleme der 600 Zigarrenfabriken mit ihren 28 000 Facharbeitern. Seit Jahren lebt diese Industrie nun schon aus den Vorräten ihrer Lager, die zur Erreichung eines abgelagerten Tabaks und eines richtigen Verhältnisses zwischen Deckblatt, Umblatt und Einlage notwendig sind. Heute haben diese Lager einen erschreckenden Tiefstand erreicht, und die augenblickliche Produktion der westfälischen Zigarren Industrie kann kaum ein Drittel des Rauchen karten-Anspruches decken.

Die empfindliche Verzögerung der nun schon so oft angekündigten Rohtabak-Einfuhren verursacht den Fabrikanten im Bünder Raum erheblicbe Sorgen, die sich in Kurzarbeit und Betriebseinschränkungen auswirken. Die langfristige Ankündigung der vorgesehenen Steuersenkung hat erst einmal die Unruhe in der Zigarrenindustrie nur noch gefördert, da auch die ungeklärte Frage der schwierigen Steuerrückerstattung Fabrikant und Einzelhandel nur vorsichtig disponieren läßt. Schließlich möchte niemand am Schluß der Geschädigte sein. Den Schaf den haben jetzt neben den Fabrikanten und Händlern vor allem die Zigarrenraucher. Bei der Steuersenkung und den damit künftig verbundenen Preisen darf man sich allerdings keinen zu stoßen Hoffnungen hingeben, da mit den in den Veröffentlichungen der Besatzungsmacht genannten Preisen für die billigste Zigarrenqualität stets Zigarillos gemeint sind. Allerdings wird der Zigarrenraucher in der Doppelzone zu Weihnachten die Freude haben, gute Zigarren kaufen zu können, die jetzt wegen hoher Preislage nur schwer abzusetzen waren.

Selbst die neuen Rohtabak-Einfuhren, von denen vier Mill. Kilo für die Zigarrenindustrie vorgesehen sind, lassen eine einwandfreie Mischungsherstellung noch nicht zu. Dazu gehören größere Posten verschiedener Tabake Und vor allem die Beteiligung deutscher Fachleute beim Einkauf. Bisher kamen ganz geringe Importmengen aus Südamerika. Die Erfahrungen lassen befürchten, daß auch die jetzt avisierten vier Mill. Kilo des neuen Imports aus Amerika nicht bis Dezember in Deutschland sind. Damit wird aber für die Bünder Zigarrenindustrie eine sehr schwierige Lage geschaffen. Aus ihren jetzigen Vorräten kann sie nur noch drei Monate fabrizieren. So bleibt also nur zu hoffen, daß die Tabakimporte doch noch zur rechten Zeit die Zigarrenfabriken erreichen. –

Wir werden uns daran gewöhnen müssen, auch In den kommenden Jahren auf die hervorragenden Sumatra-Tabake zu verzichten. Sie haben eine erhebliche Verteuerung durchgemacht und sind, da wir nur über „Dollar-Tabake“ verfügen können, für uns nicht erreichbar. Daher wird es in Deutschland in Zukunft eine verhältnismäßig kräftige Zigarre geben, und der deutsche Zigarrenraucher wird nicht nur auf dem Gebiet seiner vielseitigen Farbwünsche eine grundsätzliche Umstellung durchmachen müssen.

–zke.