Von Irma Fiebig

Die Währungsreform brachte viele Not, und doch sind die Hochschulen und Universitäten überfällt. Wenn auch der Prozentsatz der studierenden Frauen, der im Kriege Bis zu 80 Prozent angeschwollen war, stark zurückgegangen ist, so wird doch – wie immer in Notzeiten – heute wieder die Frage des Frauenstudiums diskutiert. – Unsere Mitarbeiterin gibt ihre Gespräche mit einem Studenten, dessen Anschauung für viele seiner Kommilitonen typisch ist, und einem Professor wieder, in dessen Vorlesungen schon lange vor dem Kriege ebenso viele weibliche wie männliche Studenten vertreten waren. Der Professor hat denn wohl das Recht, manches zu korrigieren, was aus dem Munde des Studenten ein wenig unbedachtsam klang.

Der Student. (Mediziner, 24 Jahre alt.)

„Meinen Sie, daß die Frau in Notzeiten wie der jetzigen die Universitäten meiden sollte?“

„Wenn ich Frau wäre, würde ich sagen: Nein! Haben die Frauen nicht ein gleiches Recht an den Geistesgütern des Volkes? Wenn ich Politiker wäre, aber sagte ich: Ja! Jeder Student kostet dem Staat jährlich 8000 Mark. Aber nur ein kleiner Prozentsatz studierender Frauen verwendet sein Studium später. Die meisten heiraten, sorgen für ihren Haushalt, bekommen Kinder. Ist das nicht – wohl bemerkt in Notzeiten – eine Verschwendung der öffentlichen Gelder?! Wieviel Wohnungen könnten davon beispielsweise gebaut werden! Außerdem ... die Frauen drücken das geistige Niveau unserer Hochschulen...“

„Ich denke, sie sind fleißiger als die Männer?“

„Das ist es ja: Durch ihren Bienenfleiß treiben de die Ansprüche an das erlernbare Tatsachenwissen immer höher. Wieviel Milligramm Zucker im menschlichen Blut sind – solche Fragen können die Frauen immer beantworten, aber die einigen Zusammenhänge erfassen –, das sollte doch erst das Ziel des Studiums sein! Davon kommen wir in den Universitäten immer mehr ab. Reine Paukeranstalten! Bienenfleiß steckt an!“