Von Harold Rasch

Der Verlag Helmut Küpper in Godesberg, der sich u. a. die Pflege marktwirtschaftlich orientierten Schrifttums zur Aufgabe gemacht hat, bringt drei Werke heraus, die nicht nur den Fachmann interessieren dürften. Alle drei, Walter Euckens Lehrbuch „Grundlagen der Nationalökonomie“, Leonhard Mikschs Schrift „Wettbewerb als Aufgabe“ und Hans Gestrichs Arbeit „Kredit und Sparen“, sind erheblich erweiterte und verbesserte Neuauflagen bereits früher erschienener Werke, Neuauflagen, die gerade, jetzt, da wir mitten im Kampf um eine neue Wirtschaftsordnung stehen, von besonderem Wert sind.

Rückens „Grundlagen der Nationlökonomie“ bedarf heute keiner Empfehlung mehr. Der Verfasser, Haupt der sogenannten Freiburger Schule und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Verwaltung für Wirtschaft, ist durch sein entschiedenes Eintreten für eine neuzeitliche Marktwirtschaft bekannt. Sein vorliegendes Werk erarbeitet die wissenschaftlichen Fundamente seiner wirtschaftspolitischen Haltung.

Aufgabe der Wirtschaftswissenschaft ist es, die Fülle der Erscheinungen des Wirtschaftslebens in ihren Zusammenhängen zu verstehen. Die bloße Alltagserfahrung, des Menschen reicht dazu nicht aus, sie verliert sich alsbald in einem undurchdringlichen Gestrüpp von tausend einzelnen Tatsachen, Meinungen, Interessen. Deshalb kann die in Deutschland lange vorherrschend gewesene historische Schule diesen Anforderungen nicht genügen. Aber auch die sogenannte theoretische Nationalökonomie läßt uns unbefriedigt, insofern sie die konkrete Wirklichkeit vernachlässigt. In der Oberwindung dieser Antinomie sieht Eucken eines der Hauptprobleme der Wissenschaft. Worauf es ankommt, ist, Anschauung, Intuition, Synthese, Einfühlung in den wirtschaftlichen Alltag mit rationalem Denken, Analyse, Arbeit am gedanklichen Modell zu verbinden.

Das geschieht, indem wir aus der unübersehbaren Mannigfaltigkeit konkreter Wirtschaftsordnungen mit Hilfe „pointierend hervorheben-’ der Abstraktion“ eine beschränkte Zahl elementarer reiner Formen zu wirtschaften entwickeln. So ergeben sich die „Idealtypen“ der zentral geleiteten Wirtschaft (mit ihren beiden Formen der Eigenwirtschaft und der Zentralverwaltungswirtschaft) einerseits, der Verkehrswirtschaft andererseits, – Idealtypen im Sinne Max Webers: gedankliche Bilder zur leichteren Erfassung der Wirklichkeit. Innerhalb der jeweils tatsächlich gegebenen Wirtschaftsordnung, die sehr wohl Elemente beider Idealtypen enthalten kann, läuft der tägliche Wirtschaftsprozeß ab.

Es ist nicht möglich, den Hauptinhalt des Euckenschen Werkes kurz zusammenzufassen; der Verfasser selbst bekennt, daß man dies nicht könne. Begnügen wir uns daher mit dem Hinweis, daß sowohl die genannten beiden Haupttypen von Wirtschaftssystemen wie der Wirtschaftsablauf innerhalb ihrer, namentlich auch das Problem der Konjunkturen und der wirtschaftlichen Macht, eine eingehende und anschauliche Darstellung erfahren.

Während das Werk von Eucken lediglich der Analyse des Wirtschaftslebens gewidmet ist, greift die Arbeit von Miksch auch auf das wirtschaftspolitische Gebiet über. Der Verfasser, Mitarbeiter der Verwaltung für Wirtschaft, untersucht die verschiedenen Marktformen der vollständigen, der unvollständigen Konkurrenz und des Monopols und entwickelt die ihnen entsprechenden Marktverfassungen des freien Wettbewerbs, des gebundenen Wettbewerbs und der staatlichen Monopolaufsicht. Wo immer es angängig ist, sollte die Staatsgewalt günstige Bedingungen für die Entwicklung vollständiger Konkurrenz und damit eines freien Wettbewerbs schaffen. Wettbewerb ist keine Hinterlassenschaft der Vergangenheit, sondern eine Aufgabe der Zukunft. Nur da, wo die tatsächlichen Voraussetzungen der Konkurrenz fehlen, muß die staatliche Aufsicht an die Stelle der „Kontrolle durch den Markt“ treten.