DIE ZEIT

Die Kontrolle der Kontrollen

Die Parteiblätter, der SED in Berlin und noch mehr in der Ostzone fließen über von Resolutionen gegen die Mangelhaftigkeit und die Fehler der eigenen Partei, gegen die Schwächen ihrer Organisation, ihrer Struktur und ihrer Menschen.

Müde Jugend

Man nennt sie „die deutsche Jugend“, und schon das ist falsch. Weil es „die deutsche Jugend“ schlechthin gar nicht gibt. Man versuchte einen Star aus ihr zu machen.

Vorrang der Außenpolitik

Von einer Wende der französischen Besatzungs-– politik sprach kürzlich auf einer Pressekonferenz in Baden-Baden der französische General Hepp.

Das Recht der Flüchtlinge

Im bayerischen Landtag erhob sich unlängst ein Tumult, als ein Abgeordneter des Hauses bei der Debatte über den Wiederaufbau der zerstörten Kirchen zu bemerken wagte, daß es den Flüchtlingen für ein solches Projekt wohl an Verständnis mangeln würde, solange noch Tausende von ihnen unter menschenunwürdigen Verhältnissen in Massenquartieren zusammengepfercht seien.

Der Norden am Scheideweg

Übers Wochenende haben die drei nordischen Verteidigungsminister auf ihrem Treffen in Oslo eine skandinavische Verteidigungskommission ins Leben gerufen, deren drei militärische und zwölf politische Spezialisten die Aufgabe haben, so rasch wie möglich die Voraussetzungen einer gemeinsamen Verteidigung zu klären.

Kuhhandel um Schlange

Mit den Kompensationsgeschäften Ist es in der Politik genau so wie in der Wirtschaft: man macht sie, aber man gibt es nicht zu Auch die CSU will nicht wahrhaben, daß es ihr bei ihrem Vorstoß gegen Schlange-Schöningen im Grund im ein solches Kompensationsgeschäft-geht, das Ihr geschickter Dr.

Unglückliches China

Die verzweifelte Lage der Regierung in Nanking kam deutlich in der betont ernsten, fast düsteren Ansprache zum Ausdruck, die Tschiangkaischek soeben anläßlich des chinesischen Nationalfeiertages gehalten hat Die Hauptstadt der Provinz Schantung war kurz zuvor von den Kommunisten erobert worden, deren Vormarsch jetzt die Hafenstadt Tsingtau bedroht, wo die Amerikaner ausgedehnte Anlagen und auch eine Garnison unterhalten, die sich demnächst darüber klarwerden muß, ob sie die Übergabe, vollziehen oder sich in den Bürgerkrieg einmischen will Auch Tschangtschun, die ehemalige Hauptstadt der Mandschurei, hat kapituliert, Und der Belagerungsring um Mukden wird immer enger.

WOCHENÜBERSICHT

Der sowjetische Vertreter Wyschinski weigerte sich, in Paris vor dem Sicherheitsrat Fragen über die Berliner Krise zu beantworten.

Schacht im Kreuzfeuer

Unter den Leserbriefen zu unserem Vorabdruck von Schachts Buch „Abrechnung mit Hitler“ befinden sich erwartungsgemäß auch kritische Äußerungen.

Der Gang zum Juwelier

Der alte Juwelier erzählte: ...Da wir schon über die Not der Zeit sprechen! Gewiß, es besteht eine Wechselbeziehung zwischen der jetzigen und der Zeit nach dem ersten Krieg, als dieInflation über Deutschland herfiel.

Was Patrick verlor ...

Soeben wurde Irwin Patrick Fitzgerald nach den Vereinigten Staaten zurückgeschickt. Er trug Zivil, denn er hatte seine Uniform verloren.

Das Hamburger Ehrenmal

In Gedanken tief und von besonderer Art, in der Form so rein gelöst wie alle Werke dieses großen deutschen Meisters“ – mit Riesen Worten pries Ludwig Justi jenes Relief, das der Gastrower Meister Ernst Barlach für das Ehrenmal an der runden Alstertreppe in Hamburg geschaffen hatte.

„Schlague“

Wörter gehen oft schneller über die Grenzen als die Menschen, aus deren Sprache sie stammen, und seitdem es den Rundfunk gibt, hat diese „Wanderung“ noch zugenommen! Sehr stark haben natürlich schon immer die Kriege solches Eindringen der Fremdworte in ein anderes Land gefördert, denn da pflegte der Kontakt mit dem Fremden „inniger“ zu werden – manchmal freilich auf höchst unerwünschte Weise.

„Tönende Kathedralen“

In Essen fand eine Woche mit alter und neuer religiöser Musik statt, die im Jahr des Dom-Jubiläums vom Katholikenausschuß der Stadt Essen veranstaltet worden war und unter dem Protektorat des Kölner Kardinals Dr.

Analyse des Amerikaners

Ein bedeutsamer Versuch der bekannten amerikanischen Anthropologin, den politischen Charakter des amerikanischen Volkes zu analysieren.

Das Sadler’s Wells Ballett

Die prominente englische Tanzgruppe, das ‚,Sadler’s Wells Ballet“, ist in Düsseldorf und Hamburg zu Gast gewesen und enthusiastisch gefeiert worden.

Der Kritiker

nicht nur, daß er Jude war, noch schlimmer: er war ein Kritiker. Er war der größte Kritiker nach Fontane und Lessing, den die deutsche Literatur kennt.

Filme aus Frankreich, USA, Berlin

Man kann auch in Hamburg wieder französische Filme sehen nach dem Übergang von der Bizone zur Trizone. Die Harvestehuder Lichtspiele zeigen „Ein Schatten der Vergangenheit“ (Le revenant).

Notizen

Der Streit um die letzte Ruhestätte von Johann Sebastian Bach wurde durch den einstimmigen Beschluß des Leipziger Stadtverordnetenparlaments dahin entschieden, daß der Sarkophag des Thomaskantors aus der völlig zerstörten Johanniskirche in die Thomaskirche, die ehemalige Wirkungsstätte Bachs, überführt werden soll.

Der Einpeitscher

Das parlamentarische System in England verdankt sein gutes Funktionieren nicht zuletzt dem „Einpeitscher“. In jeder Fraktion gibt es ihn.

Export ohne Knebel

Welch erfreulicher Ausblick: Der Exporteur braucht nur noch seiner Außenhandelsbank ein „Export-Kontrolldokument“ in vierfacher Ausfertigung einzureichen! Und dies, nachdem nicht nur der Vertrag mit dem ausländischen Kunden längst geschlossen ist, sondern auch nachdem im Inlande die Ware beschafft ist.

Fröhliche Theorie

Wenn heute ein Meteorologe erklären würde! Dieser Sommer. 1948 müsse, rein wissenschaftlich betrachtet, als ausgesprochen trocken gelten, nur habe eben die wider alles Erwarten große Regenhäufigkeit die theoretisch wohlbegründete Vorhersage gestört, so daß es praktisch nun doch, o weh, ein nasser Sommer geworden sei – er würde der verdienten Lächerlichkeit anheimfallen.

Grundfragen

Der Verlag Helmut Küpper in Godesberg, der sich u. a. die Pflege marktwirtschaftlich orientierten Schrifttums zur Aufgabe gemacht hat, bringt drei Werke heraus, die nicht nur den Fachmann interessieren dürften.

Kurze Wirtschaftsmeldungen

Mit Preissenkungen für Häute, Felle, Lederschuhe und andere Lederwaren ist in nächster Zeit zu rechnen, nachdem 12,6 Mill. $ für das vierte Quartal 1948 für die Einfuhr von Häuten, Fellen und Gerbstoffen bereitgestellt wurden.

Franc-Ordnung

schaffen müssen. Großbritannien und Belgien haben die Erfüllung der von ihnen im intereuropäischen Zahlungsverkehr gegenüber Frankreich übernommenen Verpflichtungen von dieser Neuordnung abhängig gemacht.

Suche nach dem Optimum

Die Revision der Verbrauchsteuern für Genußmittel scheint vorläufig abgeschlossen. Beratungen zwischen den deutschen und alliierten Sachverständigen haben zu einer Einigung geführt, die als Ergebnis ernsten Bestrebens zu werten ist, die sachlich beste Lösung zu finden.

Ein Engpass soll aufgesprengt werden

Seit die VfW angekündigt hatte, sie wolle, um auf dem Textilgebiet einen Preisdruck auszuüben, die Einfuhr fertiger Spinnstoffwaren fördern, tauchten mehrfach Stellungnahmen zu diesem Thema auf.

Gengas oder Benzin?

Auf der letzten Konferenz der Verkehrsminister der Doppelzone wurde die Frage einer stärkeren Verwendung von Fahrzeuggeneratoten erörtert.

Hamburger „Jedermann“ -Ware

AIs Hamburgs größte Lebensader, der Ex- und Import, durch den Zusammenbruch rigoros abgeschnitten war, suchten verschiedene Industriezweige diesen erheblichen Ausfall zu einem gewissen Teil auszugleichen.

Lumpen als Rohstoff-Basis

In Neuß am Rhein residiert die „Fachvereinigung industrieller Reißspinnstoffherstellung und verwandter Industrien“, ein Zonenverband, der eine vielseitige Industrie betreut: außer den Erzeugern von Reißspinnstoffen jeglicher Art die Hersteller von Polsterwolle, Industriewatte und Steppdeckenfüllung, von Jutevlies und Werg, die Juteabfallspinnereien (Gewinnung von Teer- und Weißstricken als Rohrdichtungen), die Hersteller von Putzwolle, die Maschinenputztuch- und Tuchlappenwäscherei, die Polierscheibenhersteller und die Erzeuger von Schutzkleidung aus Lumpenresten.

Existenzkampf in Bünde

Wenn auch seit Monaten immer wieder vonerheblichen Rohtabak-Einfuhren die Rede in und erst kürzlich über ein „Großeinfuhr-Programm“ berichtet wurde, so lassen die bisheriges Erfahrungen für die westfälische Zigarrenindustrie in und um Bünde doch keinen rechten Mut zu einem gesunden Optimismus aufkommen.

Kinos haben wieder Sorgen

Schlangestehen an den Kassen, Weiterverkäufe von Eintrittskarten zu Schwarzmarktpreisen vor den Türen, fünf bis sieben Vorsteltilgen täglich mit alten deutschen Filmstreifen, überfüllte Häuser – das war das Bild vor der Währungsreform.

Unausgenutzte Transport-Kapazitäten

Die Küstenschiffahrt klagt. Fast alle Wirtschaftszweige, die ihrer Struktur ähneln, wie die Handwerker und Kleinunternehmer, können ihre rechtliche und wirtschaftliche Lage wieder einigermaßen übersehen.

Verbotene Industrie?

Deutschland wird sich bei der Einfuhr von Rohstoffen auf diejenigen beschränken müssen, die im Inland nicht vorhanden sind und auch nicht erzeugt werden können, aber zur Aufrechterhaltung der industriellen Produktion unentbehrlich sind.

DIE FRAU IN UNSERER ZEIT

Der Friede der Welt hängt nicht so sehr von Verträgen und Bündnissen ab als vielmehr Von einem allgemeinen Gesinnungswechsel, der Verträgen und Bündnissen erst wieder Glaubwürdigkeit, Unverbrüchlichkeit und Festigkeit geben könnte.

Im Theaterkarren durch die Ostzone

Mit lautem Knall bleibt ein kümmerliches Vehikel, kaum noch Omnibus zu nennen, auf der Landstraße stehen, und gelassen steigen die Fahrgäste aus, nicht eben, als ob ihnen ungewohntes geschähe! Denn dies ist eine der ostzonalen Volksbühnen, und solche Szenen gehören zum täglichen Brot der Mimen, die denn auch in fatalistischer Ruhe die Frage erörtern, ob sie überhaupt noch zur Vorstellung zurechtkommen und vielleicht sogar Zeit und Gelegenheit haben werden, vorher eine Suppe zu schlürfen.

Frauenstudium in Notzeiten

Die Währungsreform brachte viele Not, und doch sind die Hochschulen und Universitäten überfällt. Wenn auch der Prozentsatz der studierenden Frauen, der im Kriege Bis zu 80 Prozent angeschwollen war, stark zurückgegangen ist, so wird doch – wie immer in Notzeiten – heute wieder die Frage des Frauenstudiums diskutiert.

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