Schlangestehen an den Kassen, Weiterverkäufe von Eintrittskarten zu Schwarzmarktpreisen vor den Türen, fünf bis sieben Vorsteltilgen täglich mit alten deutschen Filmstreifen, überfüllte Häuser – das war das Bild vor der Währungsreform. Dahinter verbarg sich die starke Abnutzung, bei fast unmöglicher Ersatzbeschaffung, vor allem der technischen Ausfüllung der Filmtheater. Dahinter verbargen sich auch die Schwierigkeiten der jungen deutschen Filmproduktion, einen neuen Anfang zu finden, einen Industriezweig aus dem Nichts aufzubauen.

Die Währungsreform hat die Dinge auf den Kopf gestellt. Die Besucherzahlen der Filmtheater, die kurz nach der Währungsreform um 70 bis 80 v. H. zurückgegangen waren, haben sich zwar wieder erhöht, liegen aber immer noch um 40 bis 60 v. H. niedriger als vorher und damit unter den Vergleichszahlen von 1934 bis 1936. Besonders betroffen sind kleine Orte und Landgemeinden mit einem starken Anteil an Flüchtlinsbevölkerung und die großen Theater der Groß- und Mittelstädte, die von der Besatzungsmacht noch immer in Anspruch genommen sind, obgleich die Besucherzahlen der englischen Vorstellungen schon längst in krassem Gegensatz zur Größe der Theater stehen. Noch stärker als die Besucherzahlen sind die Einnahmen der Filmdiener zusammengeschrumpft, da seit dem Erscheinen der D-Mark die billigeren Platzgattungen bevorzugt werden. Hinzu kommt, daß im Juri 1947 eine 20prozentige Senkung der Eintrittspreise (auf Anordnung der VfW) durchgeführt worden ist.

Den stark zurückgegangenen Einnahmen stehen aber höhere Unkosten gegenüber als in früheren Zeilen. Vergnügungssteuer und Leihmieten stellen die großen Unkostenposten dar. Während der durchschnittliche Vergnügungssteuersatz vor und während des Krieges etwa 7 bis 7,5 v. H. betrug, wurde er seit Kriegsende in der britischen Zone auf 15 v. H. und in der amerikanischen Zone, je nach Größe der Städte, auf 12 bis 20 v. H. des Nettoeintrittspreises erhöht. Lediglich in der französischen Zone liegt die Vergnügungssteuer immer noch bei 6 bis 10 v. H. In der britischen Zone besteht außerdem noch seit 1946 auf Anordnung der Militärregierung eine 25prozentige, bei höheren Preisgruppen eine 33prozentige Sondersteuer als Aufschlag auf die Eintrittspreise. Diese Maßnahme, die von der Militärregierung nur als Mittel der Geldabschöpfung gedacht war, wurde leider nach der Währungsreform nicht widerrufen. Die Gemeinden wollen nur ungern auf diese in der augenblicklichen Situation noch immer sicherste Einnahmequelle verzichten. Es hat sich nun zwischen den Wirtschaftsverbänden der Filmtheater und den einzelnen Gemeinden und Landtagen ein heftiger Kampf um die Höhe der Vergnügungssteuer entwickelt, dessen Schwergewicht in Nordrhein-Westfalen liegt. Hier haben sich die Besucher, die ja praktisch die Sondersteuer tragen, mit Protestlisten hinter die Sache der Filmtheater gestellt. „Filmtheaterbesuch – das Vergnügen, die Entspannung, das kulturelle Erlebnis – des kleinen Mannes“ ist ihr Kampfruf. Die Verbände beweisen, daß bei Steuernachlässen, die einzelne Gemeinden von sich aus vorgenommen haben, die Besucherzahlen wesentlich angestiegen sind, wodurch die Einnahme-Ausfälle der Gemeinden wenigstens teilweise wieder ausgeglichen wurden.

In der Debatte um den zweiten „Engpaß“ der Filmtheaterwirtschaft, die Leihmietesätze, stehen die Filmtheater den ausländischen Verleihgesellschaften gegenüber. Sie konnten, da die Kopien alter deutscher Filme fast völlig abgespielt sind und die wenigen neuen deutschen Filme zur Versorgung der 3100 Filmtheater der Westzonen nicht annähernd ausreichen, eine Monopolstellung erringen. Nur dadurch war ein Ansteigen der Leihmieten von 32,5 bis einnahmen bis Kriegsende auf die heutigen-Sätze von 43 bis 45 v. H. und einer Sonderleihmiete für die Wochenschau von 2,5 bis 4 v. H. möglich. Eine solche Höhe der Leihmieten scheint um so weniger gerechtfertigt, als die gelieferten Filme meist aus den Produktionen vergangener Jahre stammen und längst amortisiert sind.

Die Aussichten, daß dieser „Engpaß“ allmählich überwunden wird, und die Leihmieten wieder auf erträgliche Sätze zurückgehen, werden von den Filmtheaterbesitzern durchweg als günstig bezeichnet. Durch die Zulassung eines weiteren englischen Filmverleihs neben der Eagle-Lion, die Lizenzierung der Ifa, einer privaten französischen Zulassung österreichischer Filme; über deren Verrechnungsform augenblicklich noch verhandelt wird, und den erhofften Ausbau der deutschen Filmproduktion wird sich auch auf der Verleihscite der Filmwirtschaft bald eine gesunde Konkurrenz entwickeln.

Am dringlichsten scheint im Augenblick eine einheitliche Lösung des Vergnügungssteuerproblems zu sein. Eine Regelung, die einen Unterschied in der steuerlichen Belastang der Firmentheater von 42 v. H. (6 v. H. in der französischen Zone, 15 plus 33 v. H. in der britischen Zone) zuläßt, scheint in der sich anbahnenden Wirtschaftseinheit der drei Westzonen, überholt. Eine Vereinheitlichung wäre wünschenswert. Es darf nicht vergessen werden, daß die Krise ja nicht nur die Filmtheater bedroht, sondern bei der starken Verflechtung aller Zweige der Filmwirtschaft auch die junge deutsche Filmproduktion, die allein auf den Inlandsmarkt angewiesen ist und es sowieso schwer genug hat, sich gegen die kapitalkräftigere und technisch besser ausgerüstete ausländische Produktion zu behaupten. U. S.